Religiöser Zynismus
von Urs Schönbächler
Politik: In den Unvereinigten Staaten haben mehr als eine Million Menschen Einblick in geheime Dokumente. Und dann wundert man sich, wenn davon ein paar Hundert im Netz landen oder ein Ex sie mit nach Hause nimmt und nicht wieder hergeben will. Aber das soll künftig nicht mehr möglich sein. Ab jetzt kann man beim Pentagon den Newsletter «Top Secret» abonnieren.
Familie: Ökologinnen fordern seit Langem die Kreislaufwirtschaft. Jetzt ist dieses Anliegen bis in reaktionärste Kreise vorgedrungen, zumindest im familiären Rahmen. So sollen Bioschweizer möglichst viele Kinder zeugen und sie parteiisch und religiös auf Kurs bringen. Eine Art Kreislaufgenetik, zu verwechseln mit der geistigen Inzucht.
Religionen: Die zweitstärkste Kraft in der neuen israelischen Regierung ist die Partei «Religiöser Zionismus». Da wäre religiöser Zynismus friedfertiger. Was heilige Fundis anrichten, sehen wir im Iran und in Afghanistan. Und der jüdische Oberzionist ist stolz darauf, Homosexuelle zu hassen und bald zu verfolgen. Sind vor Gott nicht alle gleich? Und gleicher als in gleichgeschlechtlichen Beziehungen geht kaum.
Recht: Die Verbrechen von IS und Russland unterscheiden sich nicht: unmenschlichste Gräueltaten, imperialistische Gelüste und ideologische Gehirnwäsche. Wer aber mit dem IS sympathisiert, kommt vor Gericht und allenfalls ins Gefängnis. Und wer mit Putin sympathisiert? Ist christlicher Terrorismus besser als islamischer?
Medien: immer wieder beklagen sich Journalistinnen, sie seien entlassen worden, weil sie die Wahrheit schreiben wollten und nicht durften. Darunter Recherchen wie «Corona gibt es nicht» oder «Die Ukraine hat Russland angegriffen». Das passt der Lügenpresse natürlich nicht. Aber die Gefeuerten müssen keine Angst haben, ihre Artikel blieben unbeachtet. Im Netz sind sie herzlich willkommen.