Diese Churerin mischt die Autobranche auf
Von Riccarda Hartmann
Leichter Dunst liegt über der Stadt. Kahle Zweige der vereinzelten Bäume schlagen aneinander, vom Wind bewegt. Gelegentlich fährt ein Auto vorbei und hält auf dem Parkplatz vor dem Waldhausstall. Sandra Adank sitzt auf der kleinen Mauer und blickt auf Chur. Auf die Stadt, in der sie geboren und aufgewachsen ist. «Ich habe nie woanders gewohnt, dies ist mein Zuhause», sagt sie.
Ihr Daheim. Geboren 1984 in Chur, wo sie zur Schule geht und eine Ausbildung zur Pharmaassistentin macht. Ein Bereich, der Sandra Adank gefalle, das Helfen und die Fürsorge. Das sei schon immer ihr Ding gewesen. Und doch schlägt es sie in eine andere Richtung. Zwar auch mit Menschen, doch nicht im Gesundheitswesen. Sie macht das Handelsdiplom und besucht die Abendschule. Wird technische Kauffrau, macht ein Nachdiplomstudium in Unternehmensführung und vertieft ihre Führungskentnisse, ein klassischer Werdegang, wie sie sagt. «Dann hat es mich in eine Garage verschlagen», erzählt sie. Dort lernt sie ihren Mann kennen. «Wir waren der Meinung, dass das Autogewerbe eine sehr spannende Branche ist, die sich aber auch sehr stark im Wandel befindet und viele Herausforderungen mit sich bringt.»
Ein paar vereinzelte blonde Haarsträhnen werden vom Wind aus ihrem Haargummi gelöst. Sandra Adank blickt wieder nach Chur, nach Westen, dort wo ihre Unternehmungen sind, von denen sie heute die Inhaberin ist. 2010 macht sie sich selbstständig. Sandra Adank lächelt, als sie sagt: «Ich hätte nach der Lehre nie gedacht, dass ich selbstständig sein werde». Mehr aus der Not heraus ergab sich dies, wie sie verrät, denn sie und ihr Mann haben am selben Tag die Kündigung von ihrem damaligen Arbeitgeber aufgrund einer Firmenübernahme bekommen. Per Zufall erfahren sie zur etwa gleichen Zeit, dass die Garage Hoffmann neue Besitzende sucht. So starten sie mit drei Mitarbeitende. «Wir sind schnell gewachsen.»
Werden Frauen in Führungsetagen anders wahrgenommen?
Wenn etwas funktioniert, dann müsse sie sich gleich weiterentwickeln, so sei sie einfach. Neben dem Aufbau verschiedener Unternehmen studiert Sandra Adank und macht ihren Executive Master in Wirtschaftswissenschaften. Die Arbeit schreibt sie über das Thema Frauen in Geschäftsleitungen, darüber, ob Frauen unterschiedlich wahrgenommen werden. Sie tauscht sich mit Frauen in speziellen Führungsgremien aus, unter anderem mit einer General-Priorin eines Klosters und mit einer Leiterin eines Gefängnisses. «Sie alle haben gesagt, dass wir Frauen uns mit mehr Selbstvertrauen präsentieren müssen und dass wir doch immer etwas mehr liefern müssen, damit wir gleich souverän wahrgenommen werden wie ein Mann.» Diese Meinung unterstützt auch Sandra Adank.