Die neue Bolgenschanze
Der einheimische Geometer Grünenfelder und der internationale Fachmann Reinhard Straumann, ein Schweizer Flugzeugingenieur und selbst ehemaliger Skispringer, planten den Neubau rund 400 Meter ostwärts der alten Schanze im Gebiet Geissloch. Im Dezember 1928 wurde sie fertiggestellt und mit einem Wettkampf getestet. Auf dem Schiedsrichterturm hatten die Sprungrichter beste Übersicht. Beidseitig an der Aufsprungbahn standen die Weitenmesser mit langen Holzstangen zum Anzeigen des Aufsetzpunktes. Den ersten Wettkampf gewann der Davoser E. Maurer mit der Bestweite von 57 Metern. An der ersten internationalen Konkurrenz am 15. Januar 1929 sprang dann Fritz Kaufmann auf 61 Meter. An den Zweiten Akademischen Welt-Winterspielen 1930 siegte der Norweger Jacob de Rytter Kielland mit Sprüngen von 48, 53 und 54 Metern. Leider waren dabei die Wetter- und Schneeverhältnisse schlecht, viele der Springer waren aber auch auf der grossen Schanze überfordert. Zwischen 1929 und 1931 wurden die Sprungweiten immer weiter verbessert. Am 24. Februar 1931 konnte durch Sigmund Ruud (NOR) mit einem Sprung auf 81 Meter ein offizieller Weltrekord eingetragen werden. Sigmund Ruud gewann bereits an den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz die Silbermedaille und siegte an der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 1929.
Zu dieser Zeit war es nicht selten, dass ein Springer einen langen Sprung nicht stehen konnte und stürzte. Das moderne Profil der Schanze wurde durch die internationale Springerelite sehr geschätzt. Mehrere hochklassige internationale Wettkämpfe pro Winter zeigten auf, dass Davos als Springerhochburg brillieren konnte. Die Bolgenschanze gehörte in den Anfangszeiten zusammen mit der Erzenbergschanze in Langenbruck (BL) zu den grössten Schanzen der Schweiz. Beide wurden für eine Maximalsprunglänge von 75 Metern gebaut. Bei den Veranstaltungen mangelte es auch nicht an Zuschauern. Wer nicht im Schnee stehen wollte, konnte eingepackt in den weichen Fellen der Pferdeschlitten die Sprünge verfolgen. Sogar auf der anderen Seite des Landwassers verfolgten Zuschauer die Sprungkonkurrenz. Sie sparten, sehr zum Leidwesen der Veranstalter, den Eintrittspreis.