Die Amphibien in der Region brauchen unsere Hilfe
von Andrea Sabadi und Mara Schlumpf
Renata Fulcri, wegen des ausgebliebenen Regens im März fanden keine Amphibienwanderungen statt. Hat sich seither etwas geändert?
Renata Fulcri: Anfang April kam es zu ganz kurzen Regenperioden. Blickt man auf die Wanderungsstatistik, kam es zu zwei kleinen Peaks. Das heisst, es gab zwei Nächte, die etwas feuchter waren und in denen ein Teil der Amphibien gewandert ist. Aber dabei handelte es sich nur um einen kleinen Teil und bei Weitem nicht um die Anzahl Amphibien, die üblicherweise zu dieser Jahreszeit auf Fortpflanzungswanderung geht.
Was hat sich seither bis Ende August getan?
Auch der Sommer 2022 war sehr trocken, ganz zum Leid der Tiere und Pflanzen. Durch den fehlenden Regen sind manche Weiher ausgetrocknet. Auch die Umgebung um die Weiher herum wurde dementsprechend sehr trocken. Man stelle sich vor – man ist ein kleiner Babyfrosch, der sich soeben frisch entwickelt hat und aus dem Wasser an Land geht. Dort ist das Gras braun, die ganze Umgebung ist ausgetrocknet. Ich glaube, die diesjährige Wanderung der kleinen Frösche verlief nicht sehr gut.
Ohne Wanderung keine Paarung, die Frösche finden einander ja nur auf der Wanderung. Welche Folgen hätten die ausbleibenden Paarungen für die Natur?
Nehmen wir den Grasfrosch oder die Erdkröte als Beispiel. Diese Tiere können bis zu 15 Jahre alt werden. Wenn einen Frühling lang schlechte Bedingungen herrschen, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Sie legen ja unglaublich viele Eier, aus denen dann Kaulquappen schlüpfen. Ist der Frühling aber über mehrere Jahre so extrem trocken und die Wanderung mehrmals so schlecht und wenn dann auch noch das Wasser in den Weihern fehlt, dann schrumpft der Froschbestand massiv. Aktuell haben wir nur noch wenige Orte mit vielen Tieren. Irgendwann wird die Vermischung, also der genetische Austausch, dadurch unterbunden. Wenn die Tiere genetisch verarmen, sich also genetisch immer ähnlicher sind, sterben sie irgendwann aus.