Den letzten Weg gegangen
«Das Ende naht . . .». Diese Schicksalsgeschichte bereicherte die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Bauten für das Sterben auf eine sehr unmittelbare und persönliche Art und Weise.
«Übermorgen breche ich auf (nach Davos), um auf einem schwierigen und schmerzhaften Weg Heilung zu suchen. Ich breche unter traurigen Umständen auf. Ich lasse die Familie und das Vaterland zurück, weiss nicht, ob ich beide wiedersehen werde. Gequält von der Krankheit, werde ich düstere Stunden da oben verbringen. Es wäre ein einsames Sterben da oben, ein Sterben ohne den Trost durch vertraute Gesichter.»
Das vermerkt er am 7. Mai 1944 in seinem Tagebuch. Johanna Veit Gröbner hat die Auszüge aus der Veröffentlichung extra für diese Führung übersetzt. Trotz Schneewetter begab sich eine dreissigköpfige Gruppe am Samstag, 17. September, auf den letzten Weg. Die «Zauberkraft» von Dr. Maurer vom Sanatorium Schatzalp, dem Giovanni Devoto 1937 schon begegnet war, ist jetzt seine letzte Hoffnung.
Vom Paradies
Nachdem Thomas Mann im «Zauberberg» die Krankheit und das Sterben in Davos zum grossen Thema machte, lancierte Davos eine grosse Gegenkampagne. Der «Weg zu Kraft und Gesundheit führt über Davos» versprach die Kurortwerbung, als der Bergeller Kunstmaler Augusto Giacometti 1928 das Paradies zum Thema seiner Kirchenfenster an der Kirche St. Johann machte. Ob es auch eine Hommage an die «Götter in Weiss» ist mit ihren wundersamen Heilsversprechen? Der Meister der Farben lässt uns bis heute staunen. Nicht nur, weil er in der reformierten Kirche Jesus gleichwertig die Maria zur Seite stellt. Er hat auch jenes Chor-Fenster, welches vom Kirchenschiff nicht einsehbar ist, ganz ohne biblische Motive gestaltet. Die Farbenpracht dieses angedeuteten Paradiesgartens ist das erste abstrakte Kirchenfenster der Schweiz: eine künstlerische Pionierleistung. Ulrich Weissert untermalte die Kunstbetrachtung akustisch mit ebenso eindrücklichem Orgelspiel.