«Die Kirchen sind die Letzten, die das Licht ausschalten sollten»
Der Himmel ist unbedeckt. Doch die Sonnenstrahlen werfen ihr Licht am Mittag noch nicht über die Berge. An die Dunkelheit in Betschwanden muss sich Manja Pietzcker erst noch gewöhnen. Seit dem Sommer lebt sie mit ihrer Familie in Betschwanden und arbeitet als Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeinde Grosstal. Zum Teil scheine die Sonne im Winter nur für zwei bis drei Stunden ins Pfarrhaus. «Wir haben gewusst, dass diese Herausforderung auf uns zukommt. Wenn es uns zu dunkel wird, gehen wir nach Braunwald und stellen uns oben in die Sonne», erzählt Pietzcker schmunzelnd von ihrem Plan B.
Sobald sich die Sonne im Winter rar macht, gewinnt das Licht an Bedeutung, auch im Christentum. Der Mensch sehne sich nach dem, was ihm fehle. Bei Manja Pietzcker leuchtet ab dem 1. Advent die Weihnachtsdekoration: «Bei uns ist Licht ganz, ganz wichtig. Wir werden nicht darauf verzichten, für uns ist das unvorstellbar.»
Deko reicht nicht (mehr) für alle Fenster
Auf den Fenstersimsen stehen sogenannte Schwibbögen. Eine Tradition, die Manja Pietzcker aus ihrer alten Heimat Dresden mitgebracht hat, wo sie über 30 Jahre lang wohnte. Die Schwibbögen sind halbrunde Podeste aus Holz, die mit Kerzen geschmückt sind. «Dresden ist nicht so weit vom sächsischen Erzgebirge entfernt, was die Weihnachtstraditionen stark prägt», so Pietzcker. Dort seien die Bergleute eine wichtige Berufsgruppe. Der Bogen symbolisiere den Stolleneingang der Bergwerke und stehe für ein Segenszeichen, dass alles gut und heil ist. «Wenn die Bergleute am Abend mit ihren Grubenlampen aus dem Berg gekommen sind, haben sie die Lampen an den Stolleneingang gehängt. Dann konnte man von Weitem sehen, dass die Bergleute heil zurückgekommen sind», erzählt Manja Pietzcker.
In der Adventszeit schmücken die Leute ihre Fenster mit den Schwibbögen. Auch in Pietzckers Wohnung in Dresden stand an jedem Fenster einer. In ihrem neuen Zuhause, dem Pfarrhaus in Betschwanden, reicht es nicht ganz für alle Fenster. Der Pfarrerin gefällt die Symbolik dahinter: «Heute steht das Licht dafür, dass wir dankbar sind und aufeinander achtgeben.»