«Die 100 war einfach plötzlich da»
«Ich wollte damals unbedingt ein rotes Kleid haben und habe es auch bekommen», sagt Alice Vonmoos und blickt mit einem Lächeln auf das kleine Fotoporträt, das vor ihr an der Wand hängt. Es ist eines von insgesamt nur drei Bildern, die ihr helles Zimmer im Seniorenzentrum Rigahaus in Chur zieren. Die rote Farbe, auf die Vonmoos auch heute noch stolz ist, ist jedoch nicht zu sehen. Das Foto ist schwarz-weiss, stammt aus dem Jahr 1934 und zeigt eine 16-jährige Alice mit langen, geflochtenen Haaren bei ihrer Konfirmation.
Heute sind die Haare von Alice Vonmoos kürzer und grau. Sie sitzt auf ihrem alten, hellgrün bezogenen Lieblingsstuhl am Fenster und trägt eine Bluse – in verschiedenen Rottönen. «Hier sitze ich immer», sagt sie mit einem glücklichen und zufriedenen Gesichtsausdruck. «Und mir geht es ausgesprochen gut. Nur sehe ich nicht mehr so gut.» Deshalb stört sie auch die Grossbaustelle vor ihrem Zimmerfenster nicht. «Ich sehe sie ja sowieso nicht wirklich», meint sie scherzhaft.
Die Geräusche der Baustelle, ein dumpfes Hämmern, begleiten Vonmoos Stimme aber, als sie von der grossen Feier zu ihrem 100. Geburtstag berichtet. «Wir waren in der Cafeteria und es waren sehr viele Verwandte da. So viele, dass ich an diesem Tag wahrscheinlich nicht einmal alle gesehen habe.»