Wenn das «Kerzenkonzert» naht, naht auch Weihnachten
von Swantje Kammerecker
An die 1000 Menschen strömen jeweils in die Stadtkirche, um das Weihnachtskonzert bei Kerzenlicht zu hören. Es ist die meist aufgeführte Komposition des Glarner Kulturpreisträgers Christoph Kobelt. Die Partitur wurde ins Landesarchiv aufgenommen. 1977 uraufgeführt, erklingt das Werk in Glarus in ungeraden Jahren (dieses Jahr zum 107. Mal), dazu jährlich im Fraumünster Zürich.
Die zirka 200 Mitwirkenden – Singende, Instrumentalisten samt drei Dirigenten, Lektor und Solisten – seien eine eingeschworene Gemeinschaft, stellt Catherine Fritsche fest, die ebenfalls wieder mitwirkt – im Männerchor.
Nachdem sie 1999 in Glarus eine Stelle als Musiktherapeutin angetreten war, hatte sie das Weihnachtskonzert in der Stadtkirche 2001 erstmals als Zuhörerin erlebt und war überwältigt. Und sie wundert sich heute, dass sie – obwohl sie vorher in Zürich wohnte – damals nicht damit in Berührung kam.
«Ein ergreifender Moment»
Doch in Glarus ist die Musikszene dicht verwoben. So geschah es 2003: «Im Glarner Kammerorchester, in dem ich Cello spiele und das ebenfalls von Christoph Kobelt geleitet wurde, fragte der Dirigent, wer noch im Tenor mitsingen möchte.» Der Cellokollege neben ihr sagte gleich zu – und sie auch. Als Frau im Männerchor? Ja, richtig, es sei nicht etwa eine Verlegenheitslösung gewesen, sondern diesen Part, die tiefere Mittellage, die habe sie immer sehr gerne gehabt. «Mein Vater war auch in einem Männerchor. Dieser Klang war mir nah.»
Erstaunlich. Aber wie manche zierliche Frau – man denke nur an Edith Piaf – hat auch Catherine Fritsche eine eher tiefe Frauenstimme. Sie erzählt: «Der Anfang des Konzerts, wenn der singende Männerchor in die Stadtkirche einzieht, ist für mich und auch für die Zuhörer ein ergreifender Moment. Es ist etwas Grosses, das sich da in Bewegung setzt.»
Die erste Strophe des Liedes, «es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord», habe eine starke Symbolik. Wie in einem Schiff sei das ganze Menschengeschlecht als Gemeinschaft auf seinem Weltenweg unterwegs. «Das Segel ist die Liebe, der Heilige Geist sein Mast.» Und doch, wie die 4. Strophe sage, seien wir oft verloren in dieser Welt, beladen mit Zweifeln und Sehnsucht, die sich gerade in der dunkelsten Jahreszeit offenbarten.