Vielleicht hilft ja ein Tritt ins Hinterteil
von Marco Häusler
Konstruiert hat Yvan Pestalozzi seine «Tritt-in-Arsch-Maschine» 1976, weil er sich über die damalige Fremdarbeiterpolitik aufgeregt hatte. Er war noch nicht einmal halb so alt wie heute, fand es jedoch schon damals fast unerträglich, dass Gastarbeiter – meist Italiener – wegen der drohenden Rezession zu Tausenden in ihr Land zurückgeschickt wurden, nachdem sie der Schweiz wertvolle Dienste geleistet hatten.
Als «Anwendungsbereiche» für seine «Maschine» definiert «Lozzi» Pestalozzi «bestimmte Personen in Politik, Wirtschaft und staatlichen Verwaltungen». Und er warnt sie: «Es ist darauf zu achten, dass das zu tretende Hinterteil der ‹Maschine› zugewandt ist; verkehrtes Hinstehen kann schwerwiegende Folgen haben.» Autsch.
Tatsächlich benutzen lässt sich die Maschine nicht; dafür ist sie zu klein. Und sie funktioniert nicht. Denn trotz der unzähligen Tritte, die sie einem Holzhintern nun seit über 40 Jahren austeilt, ist die Migrationspolitik auch nach Pestalozzis heutiger Meinung keinen Deut besser geworden. Im Gegenteil: «Das Flüchtlingselend mit all den Todesopfern im Mittelmeer kann ich als Thema nicht angehen», sagt er. Das sei nun wirklich unerträglich.
Von der «Tritt-in-Arsch-Maschine» zeigt er sich trotzdem überzeugt: «Sogar ein Tritt in den eigenen Hintern bringt einen weiter.» Der Mann hat wohl recht. Und sicher Humor.
«Ja, ja, ein witziger Mensch»
«Eisprung», «Rauchergabel» oder «Abdankungsmaschine für Heuchler und Erbschleicher» heissen andere Werke. Letzteres versprüht auf Knopfdruck «klerikales Tränengas», wie in der Erläuterung dazu steht. Bei der «Rauchergabel» wird eine Zigarette auf einer Gabel befestigt und über ein Metallröhrchen mit der Gabelspitze verbunden, was gleichzeitiges Essen und Rauchen ermöglicht. Und der «Eisprung» ist ein «Eisprung»: ein Ei, das an der Spitze einer Sprungfeder ein Hindernis überwindet.
«Lozzi» liebt die Doppelbödigkeit. Die Ausstellung neben seinem Wohnhaus in Wald im Zürcher Oberland ist voller Objekte zu Wortspielen. Das sei einer der Gründe, warum er von «Kritikern der elitären Kunst total abgelehnt» werde, sagt er. Diese Kritiker seien sich einig: «Ja, ja, das ist ein witziger, fröhlicher Mensch, aber es fehlt das politische Engagement.»