Scheindementer Patient bringt seinen Erfinder ins «Tunnel»
Die Geschichten, die hier enden, enden alle schlecht.» Das ist die Feststellung des 91-jährigen Johannes Kehr, der vortäuscht, dement zu sein und sich damit selbst im Altersheim eingeliefert hat. Erfinder dieser zynisch-pessimistisch und doch sehr gewitzten Persönlichkeit ist Frédéric Zwicker, Autor von «Hier können Sie im Kreis gehen». So kommt humorvolle, aber trotz allem liebenswürdige Altersheimstimmung im «Tunnel» in Glarus auf, wenn Zwicker am nächsten Samstag im ehemaligen «Veka» aus seinem Debüt-Roman vorliest.
Viel Nichts im Pflegeheim, das der Autor füllt
Selbst einmal als Zivildienstler auf der Demenzstation gelandet, weiss Frédéric Zwicker im Detail – teils auch leicht bis schwer überspitzt – darüber zu berichten. So thematisiert er in seinen Kapitelfetzen mal die Ausnutzung des Erektionsmonopols, mal die Schalenmenschen mit «zerfressenen Hirnstückchen» oder dann die allgemeine Verzweiflung der Bewohnerinnen und Bewohner in den endlosen Nächten ohne Schlaf, die Teil des grossen Nichts sind und den Pflegeheimalltag bestimmen.
Zwicker füllt dieses Nichts jedoch mit Geschichten aus der Lebensodyssee des Protagonisten Kehrs, mit dessen Ausbrüchen aus dem Heim zum Türkenladen um die Ecke oder mit Tricks, wie er seine Süssigkeitensucht befriedigen kann.
Viel Alles, das der Autor in einer Person vereint
Frédéric Zwicker schreibt mit der Intensität und dem Rhythmus eines Slampoeten, bringt die Melodie eines Musikers mit ein und spielt mit den Wörtern wie ein Schriftsteller.
Den 36-jährigen Rapperswiler kennt man in der Region jedoch vor allem von seinen wöchentlichen Kolumnen in den «Glarner Nachrichten» (siehe Seite 14) und der «Linth-Zeitung», von seinen Witzen aus Giaccobo/Müller, bei denen er als Pointenschreiber tätig war, und von seiner Stimme in der Band Knuts Koffer, bei der er sich mit Gesang, an der Gitarre und an der Geige auslässt.