Quadroni-Prozess: Früher Polizeipostenchef bestreitet Vorwürfe
Der ehemalige Chef des Polizeipostens Scuol hat am Donnerstag vor Gericht die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten. Ihm werden Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung und Hausfriedensbruch zur Last gelegt.
Das Gericht zeichnete die wichtigsten Ereignisse des Falles nach: die Hausdurchsuchungen, die Drohungen sowie den Einsatz der Spezialeinheit der Polizei, die den ehemaligen Bauunternehmer Adam Quadroni im Juni 2017 festnahm. Die Akten sind in 18 Bundesordner enthalten. Am Vormittag wurde auch der ehemalige Polizeibeamte während über einer Stunde befragt.
Der 69-Jährige sagte vor Gericht, es sei nicht seine Absicht gewesen, Quadroni einen Denkzettel zu erteilen. Er habe Quadroni immer mit Respekt behandelt und es habe zwischen ihnen nie Diskussionen gegeben – weder beruflich noch privat. In dieser Zeit habe ihm Quadroni leid getan. Er habe familiäre Konflikte gehabt, und sowohl seine finanzielle als auch seine berufliche Situation seien schwierig gewesen.
Streitpunkt Jagdwaffen
Die Spannungen innerhalb der Familie seien ihm von zwei anonymen Quellen gemeldet worden. Diese Informationen führten zur Beschlagnahmung aller funktionsfähigen Jagdwaffen, die sich in Quadronis Haus in Ramosch befanden. Dieser Punkt wird jedoch in der Anklageschrift bestritten: In dieser heisst es, dass einige Waffen in der Wohnung verblieben seien.
Er habe seinen Vorgesetzten über die Situation rund um Quadroni informiert, sagte der frühere Postenchef. Nach Drohungen des ehemaligen Bauunternehmers gegenüber dem Polizisten verfasste dieser einen Vorermittlungsbericht und stufte die Gefährlichkeit des Whistleblowers als «sehr hoch» ein. Nach Ansicht des 69-Jährigen war diese Einschätzung korrekt.
Der Spezialeinsatz des Polizeikorps vom 15. Juni 2017 ging auf eine angebliche Gefährdungsmeldung durch Quadronis Ex-Frau zurück. Dieser soll gemäss der Staatsanwaltschaft zusammen mit dem ehemaligen Chef des Polizeipostens Scuol durchgeführt worden sein. Quadroni wurde angehalten, aus seinem Auto gezerrt, gefesselt und mit verbundenen Augen bis zum Polizeiposten in Scuol gebracht. Von dort wurde er zur Zwangseinweisung in die psychiatrische Klinik in Chur überführt.