Pedro Lenz will aus Mundart kein Schmuckstück machen
von Linda Hottinger
Die Landesbibliothek Glarus und das «Bsinti» in Braunwald bekommen literarischen Besuch: Schriftsteller Pedro Lenz aus Bern wird im Glarnerland gleich zweimal auftreten. Er ist unter anderem bekannt für seinen vielfach ausgezeichneten und verfilmten Roman «Dr Goalie bin ig» aus dem Jahr 2014. In Glarus wird er aus seinem aktuellen Buch «Der Liebgott isch ke Gränzwächter» vorlesen. In Braunwald liest er aus seinem Werk «Hert am Sound» vor. Unterstützt und begleitet wird er dabei vom Kontrabass-Spieler Michael Pfeuti.
Herr Lenz, sind Sie zum ersten Mal im Glarnerland?
Pedro Lenz: Nein, ich hatte zuvor schon Vorlesungen in Niederurnen, war aber auch schon in Braunwald und Glarus selber. Ich bin seit bald 20 Jahren in der Schweiz unterwegs, da lernt man viele Orte kennen.
Proben Sie viel für Ihre Auftritte im Glarnerland, oder machen Sie das spontan?
Nein, da wird viel geprobt. Das braucht es schon, vor allem im Hinblick auf das «Bsinti». Dort trete ich mit Michael Pfeuti auf, der mich musikalisch auf dem Kontrabass begleitet. Das braucht viel Training, da man sich aufeinander abstimmen muss. Beim Proben meiner Texte ist der Aufwand geringer, die kenne und beherrsche ich sehr gut.
Was möchten Sie mit Ihrem Auftritt bei den Glarnern hinterlassen?
Ich möchte den Glarnern die Vielfalt der Sprache aufzeigen und Gedanken aus dem Alltagsleben mitgeben. Mir geht es um den Klang der Sprache. Das schafft man mit der Mundart sehr gut. Ich versuche aber nicht, aus der Mundart ein Schmuckstück zu machen. Ich bin kein Freund davon, mich auf Traditionen auszuruhen.
Sie haben eine Kolumne bei der «Schweiz am Wochenende». In Ihrem aktuellen Buch werfen Sie die Frage auf: «Sind Lenz-Kolumnen eine Zumutung für Ost-Schweizer?» Sind sie das? Warum?
Jemand hat in einem Leserbrief geschrieben, es sei eine Zumutung meine Texte zu lesen, da sie nicht verständlich seien. Das ist schade. Wir Schweizer haben ein grosses, breites Verständnis für Mundart und Worte. Allein schon die Vielfalt an Betonungen. Deshalb sollte man nicht so darauf beharren, wenn man etwas nicht gleich versteht. Mundart kann manchmal aufwendig sein, aber es ist trotzdem möglich, sie zu verstehen. Man muss nur ein bisschen Zeit investieren und es verstehen wollen. Dann klappt es auch. Für mich selber stellt es auch einen Aufwand dar, in Mundart zu schreiben, da es sehr zeitintensiv ist.