Zu Besuch beim Lawinenhund – dem Arbeitstier
von Cindy Ziegler
Lawinenhund Aspen rennt über die grüne Wiese. Wie der Blitz folgt er der Anweisung seines Herrchens Ivo Paganini. Die lange Lawinensonde in dessen Hand weist dem schwarzen Labrador den Weg. Mit einem kurzen Befehl bestimmt der Taminser, wenn sein Hund zurückrennen soll. Auch das passiert postwendend. Aspen sprintet an Ivo Paganini vorbei und rennt ans andere Ende des mit farbigen Fähnchen ausgesteckten Feldes. Es ist ein intensives Training. Aber eines, das von Erfolg gekrönt ist. Stolz bringt der Hund den Ball, den sein Herrchen zuvor im Gras versteckte. Es ist Mittwochnachmittag, ein paar Tage vor der Lawinenhundeprüfung in der Weissen Arena, bei der auch Aspen starten wird. Er ist unter den ersten fünf der Qualifikationsliste rangiert und gehört damit zu den besten Lawinensporthunden der Schweiz.
Das erzählt Ivo Paganini nicht ohne Stolz eine halbe Stunde später am heimischen Esstisch. Aspen legt sich währenddessen darunter. Er ist der dritte Hund von Ivo und Carmen Paganini, der Lawinenhund ist. Wobei Aspen der erste von ihnen ist, der das Suchen in Lawinen nur als Sport macht. «Es gibt einen Unterschied zwischen richtigen Lawinenhunden und Lawinensporthunden», erklärt Ivo Paganini, Rettungssanitäter und Hundetrainer. Früher wurde er mit seinen Hunden aufgeboten, wenn irgendwo in der Nähe eine Lawine abging. Dann musste es immer sehr schnell gehen. Der Helikopter holte Hund und Herrchen vor der Haustür ab und brachte sie, gemeinsam mit mindestens einem anderen Gespann, an den Ort des Geschehens.
Aspen ist noch nie Helikopter geflogen. Aber was sein Können angeht, steht Aspen seinen Vorgängern in nichts nach. Auch er würde verschüttete Menschen finden, wahrscheinlich sogar sehr schnell. Denn wenn ein Adjektiv den schwarzen Hund am besten beschreibt, dann dieses. Schnell. «Aspen ist ein Arbeitstier. Es gibt nichts, was er lieber tut, als etwas zu suchen. Für ihn ist das ein Spiel», erklärt Ivo Paganini. Seine Frau Carmen, die dazu gesessen ist und die Leidenschaft teilt, nickt. «Das grösste Kompliment, was uns einmal ein Wertungsrichter an einem Wettbewerb machte, war, dass er meinte, Aspen arbeite immer mit einem Lächeln», sagt sie und streichelt über das glänzende Fell. So als ob der Hund verstanden hätte, dass über ihn gesprochen wird, legt er den Kopf auf den Schoss seines Frauchens.