Historischer Kinofilm trifft den Nerv der Zeit
Von Alexandra Greeff
«Viele wollen Gewissheit zurück, aber ich weiss, es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf der Suche zu sein.» Dies sind die Schlussworte im historischen Spielfilm «Zwingli», der seit wenigen Tagen über die Schweizer Kinoleinwände flimmert. Der Film versetzt den Zuschauer ins Jahr 1519 zurück und berührt mit seinem demokratischen Grundthema trotzdem den Nerv der heutigen Zeit – und einen wichtigen Aspekt des schweizerischen Selbstverständnisses.
Im Eingangsbereich zum Uzner Kino Rex standen am Sonntag spontane Kinobesucher in einer langen Warteschlange und hofften darauf, noch ein Ticket ergattern zu können. Nachdem auch der letzte Zuschauer seinen Platz eingenommen hatte, konnte Nadine Crotti, Kinobesitzerin, 127 Besucher begrüssen: «Wir haben ‹full house›», resümierte sie stolz, um dann mit Augenzwinkern eine weniger erbauliche Vorwarnung nachzuschieben: «Sie bleiben jetzt 124 Minuten ohne Pause sitzen, bis der Film fertig ist. Wenn der Film fertig ist, bleiben Sie weiter sitzen.» Dann werde nämlich die Filmcrew auf die Bühne kommen und Fragen aus dem Publikum beantworten.
«Ein riesengrosser Kraftakt»
Die 124 Minuten waren jedoch im Flug vorbei. Schon die erste Minute des Spielfilms zog die Zuschauer in seinen Bann und versetzte sie zurück ins historische Zürich von 1519. Es ist die Zeit, in der der Zürcher Reformator Huldrych Zwingli für Aufruhr sorgt und mit seinen revolutionären Ideen fast einen Bürgerkrieg auslöst. In nur wenigen Jahren stellt Zwingli die ganze Stadt Zürich sowie fest verankerte religiöse Traditionen und Werte auf den Kopf.
Das Zürcher Grosmünster musste für den Film eine Zeitreise von 500 Jahren mitmachen.»Filmproduzentin Anne Walser