Historienbild lässt über gestern, heute und morgen nachdenken
Ab heute Samstag stellen die 57-jährige Künstlerin Caroline Bachmann aus Lausanne und der aus Basel stammende und in Zürich arbeitende 33-jährige Jan Vorisek im Kunsthaus Glarus aus. Mit ihnen bringt Kunsthausdirektorin Judith Welter zwei sehr unterschiedliche Positionen zusammen, die aber eines vereint: Beide regen in Zeiten von Corona an, über den Zustand der Welt, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachzudenken.
Der Auszug der Helvetier
Das Historienbild «58 av. J.-C.» (58 avant Jésus-Christ) ist eigens für die Ausstellung in Glarus entstanden. Typischerweise gross, indes unüblicherweise von einer Frau gemalt. «In der Vergangenheit galten Frauen körperlich als ungeeignet, um die höchste aller Bildgattungen, die Historienmalerei, zu beherrschen», erklärt Welter beim Rundgang.
Über acht Leinwände erstreckt sich das Panorama des Juras zwischen Rhein und Rhone mit dem Neuenburger See in der Mitte. Es ist eine Historienmalerei ohne Menschen. Zwölf Feuer bezeugen darauf die Zivilisation in der weit entfernten Geschichte der Schweiz: Es sind die Feuer der Römischen Kriege gemäss Julius Caesars De bello gallico. Der Auszug der Helvetier habe sie inspiriert, dieses Werk zu malen, sagt Caroline Bachmann.
Um 58 vor Christus haben Zigtausende helvetische Stammesleute oder Kelten ihr Siedlungsgebiet verlassen, um westwärts in Gallien ein neues zu suchen. Wobei sie ihre eigenen Dörfer und Felder in Brand setzten. Die Gründe des Exodus sind unklar: War es Platzmangel, Furcht vor den germanischen Stämmen in Norden oder einfach Neugier, was sich hinter der Bergkette für eine Welt verbirgt?
In der Schlacht bei Bibracte seien sie von römischen Legionen geschlagen worden, sagt die Künstlerin. Ihre Landschaft mit Sonnenuntergang zeige aber nicht die Schlachtfelder hinter dem Juragebirge, sondern die Feuer der brennenden Dörfer. «Das ist hier passiert, also keine Erfindung», betont Bachmann.