Das leidvolle Leben eines Orchesterbeamten
von Maya Höneisen
Sorgfältig legt er eine Schallplatte auf den Plattenspieler. Ein Konzert von Brahms. Vergnügt summt er mit. «Moment, gleicht kommts. Jetzt. Hören Sie es? Die Kontrabässe, das bin ich. Ich meine, das bin ich mit meinen Kollegen. Da waren wir zu sechst. Ohne uns, da geht gar nichts.» Er fixiert das vor ihm sitzende Publikum und fährt nach einer Pause fort: «Was ich sagen will, ist, dass der Kontrabass das wichtigste Instrument eines Orchesters überhaupt ist. Bass ist das zentrale Orchesterinstrument, bloss gibt das keiner zu.»
Er, das ist im Stück «Der Kontrabass» des deutschen Autors Patrick Süskind ein namenloser Kontrabassist im Orchester der Staatsoper. Am Donnerstag lud das Theater Muntanellas zur Premiere der Inszenierung in die Klinik Beverin in Cazis. Für die Regie zeichnet Lina Frei verantwortlich, Martin Schulthess ist in der Rolle des Kontrabassisten zu sehen. Die Aufführungen finden im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums der Klinik Beverin statt.
Warten auf den Einsatz
Das Stück hat es in sich. Im mit Eierkartons schallisolierten Wohnzimmer (Bühnenbild: Christof Bühler) steht ein Kasten Bier auf dem Boden, am Kleiderständer hängt der Anzug bereit (Kostüm: Lilo Kuhn), der Kontrabass wartet auf seinen Einsatz im Orchester. An diesem Abend soll Richard Wagners Oper «Rheingold» aufgeführt werden.
Während der Vorbereitungen macht sich der Musiker so seine Gedanken, über sich, sein Instrument, die Musik, das Leben, die Liebe, die Welt und zu grossen Komponisten. Beethoven habe mehrere Klaviere zusammengeschlagen, aber nie einen Kontrabass. Beethoven habe sowieso kein Streichinstrument gespielt, bloss Klavier. Das gehe heute gerne vergessen, meint er lakonisch. Auch nicht viel besser wegkommt Wagners Werk «Tristan und Isolde». Der Kontrabassist seziert es geradezu – psychoanalytisch. Mozart bedauert er als Kinderarbeiter, der gezwungen worden sei zum Komponieren. Gleich darauf lässt er sich über seine Nachbarn aus. «Sobald ich beim Üben die Grenze von ‹Mezzoforte› überschritten habe, klopft Frau Niemeier von oben. ‹Forte› geht schon bis ins Nachbarhaus – die rufen dann an», moniert er, während er zärtlich über sein Instrument streicht und anfügt: «Das ist die Durchschlagskraft des Basses.»