Anaconda humpelnd an Stöcken, aber mit neuen Songperlen-Trouvaillen
von Antoinette Lüchinger
Endo Anaconda zeigte sich in Jona unverkennbar mit seinen langen Haaren, Anzug und Hut, aber auch von seinem Leben, seinen 63 Jahren und seinen Schmerzen gezeichnet auf der Bühne. Wegen einer Knieverletzung humpelte er am vergangenen Freitagabend aber an Stöcken zum Auftritt. Rund hundert Fans jubelten ihm zu. Die Kellerbühne «Grünfels» durfte an diesem Abend «full house» notieren.
Wie alles begann
Seit rund dreissig Jahren steht Endo Anaconda, ehemals Andreas Flückiger aus Burgdorf, als Sohn einer Österreicherin und eines Schweizer Polizisten auf der Bühne.
In den frühen 1980er-Jahren kam er nach einer Ausbildung als Siebdrucker aus Wien in die Schweiz zurück und spielte in verschiedenen Berner Musikgruppen, unter anderem bei «Caduta Massi und den Alpinisten» mit.
In Jona schleudert Anaconda seine Zeilen mit schierer Verzweiflung und unheimlicher Wucht ins Publikum.
1989 gründete er mit Balts Nill die Band «Stiller Has» und brachte die erste gemeinsame MC heraus. Seither sind elf Studio- und drei Konzert-Alben entstanden. Verkaufen liessen sich in dieser Zeit über 250 000 Tonträger.
Musikpreise 2015 und 2017
Endo Anaconda wurde als Berner Mundart-Sänger bekannt und verschiedentlich ausgezeichnet, unter anderem mit dem Berner Musikpreis 2015 und dem Schweizer Musikpreis 2017. Er spielte in all den Jahren mit verschiedenen Formationen, vom Duo bis hin zum Quintett.
Mit 62 Jahren gelang es ihm, ein neues Album zu produzieren: Endosaurusrex. Regelmässig schrieb er Kolumnen in der «Berner Zeitung» und veröffentlichte ausserdem drei Bücher. Deren Titel: «Sofareisen» (2015), «Weiterfahren» (2011) und «Hasentexte» (1999). Anfang 2000 wurden seine «Hasentexte» vom Schweizerischen Bundesamt für Kultur ausgezeichnet.