Wie Swiss Timing der Hockey-Nati zum Sieg verhalf
Seit 82 Jahren herrscht Swiss Timing bei Olympia über Zahlen, Daten und Zeiten. Die neusten Innovationen für Sotschi betrafen den Bobsport und das Eishockey – nicht zum Nachteil der Schweizer.
Seit 82 Jahren herrscht Swiss Timing bei Olympia über Zahlen, Daten und Zeiten. Die neusten Innovationen für Sotschi betrafen den Bobsport und das Eishockey – nicht zum Nachteil der Schweizer.
Von Rolf Bichsel
Sotschi. – Im Bob durfte Omega die neusten Technologien im Rennen noch nicht einsetzen. Die Deutschen wollten das nicht. Und das Reglement ermöglichte ihnen das Vetorecht, weil ein Transponder in den Bob hätte eingebaut werden müssen. «Aber es ist jetzt schon klar, dass das Reglement bis zu den nächsten Winterspielen angepasst wird», sagt Peter Hürzeler (75), der Pionier der Zeitmessung, der als «Omega Timing Board Member» zum 17. Mal an Olympischen Spielen mit dabei ist.
Mit dem neuen System wären bei der TV-Übertragung permanent Geschwindigkeit, G-Kräfte, Beschleunigung und graphisch auch die Position des Schlittens im Eiskanal ersichtlich gewesen. Warum wollten die Deutschen das nicht? Die neuen Möglichkeiten helfen primär den schwächeren Nationen, die sich im teuren Bobsport nicht so intensive Forschungsarbeiten leisten können. Wer im Bob auf höchstem Niveau mithalten will, der muss mit Fachhochschulen und Universitäten zusammenarbeiten. Der Schweizer Bobverband kann auf die ETH Zürich zählen. Die deutschen Spitzenteams erhalten staatliche Hilfe.
Brillieren im Eiskanal
Obwohl die neusten Technologien noch nicht eingesetzt werden konnten, vermag Swiss Timing im Eiskanal hochtechnologisch zu brillieren. 55 Zwischenzeiten können gemessen werden, und das bei 56 Fahrsekunden. Im Schlitteln wird auf den Tausendstel genau gemessen, im Bob wie im alpinen Skisport auf den Hundertstel. Das Zeitmesssystem «Quantum», das vor den Sommerspielen in London erstmals vorgestellt worden ist, könnte noch viel mehr. «Wir könnten auf eine Millionstelsekunde genau messen», erklärt Hürzeler. Aber wer denn die Abfahrt der Frauen tatsächlich gewonnen hat, ob Tina Maze oder Dominique Gisin, weiss die Zeitmess-Legende nicht. Oder wenn er es weiss, darf er es niemandem sagen.
Tatsächlich gibt es im Zeitalter von «Quantum» auch noch eine Handstoppung bei Start und Ziel «für alle Fälle», wie es Hürzeler ausdrückt. Die Aufzeichnungen dieser Herren landen in der Regel sofort nach Rennschluss unkontrolliert im Papierkorb. Im Abfahrtsrennen der Frauen betrug die Marge für einen Hunderstel immerhin 26,7 Zentimeter.
Die Handstoppung erinnert an Omegas olympische Anfänge. 1898 wurde die erste Stoppuhr erfunden. 1907 eruierte Omega erstmals bei einer Sportveranstaltung, einem Ballon-fliegen in Schlieren bei Zürich, die Zeiten. Bei der olympischen Premiere 1932 in Los Angeles stellte Omega den Organisatoren 30 Stoppuhren und einen Uhrmacher zur Verfügung. Mittlerweile stehen fast 500 Leute im Einsatz, das Material wiegt 400 Tonnen, ausserdem wurden 78 km Kabel verlegt. Zwischen 1932 und der Gegenwart wurden viele Meilensteine gesetzt: 1948 in St. Moriz lieferte Swiss Timing erstmals ein Zielfoto, vier Jahre später in Helsinki wurden die Zeiten erstmals elektronisch gemessen, seit 1961 können die Zeiten direkt aufs TV-Bild projiziert werden und 1966 entschied der Leichtathletikverband als erster Sportverband, die elektronische Zeitmessung auch zu offizialisieren.
Die Geschichte um die 7,9 Sekunden
Ein weiteres Novum bietet Swiss Timing im Eishockey. Erstmals stoppen die Schiedsrichter mit ihren Pfiffen automatisch die laufende Uhr. Das System wurde an der letzten U18-WM getestet und vom Internationalen Verband IIHF für gut befunden. Peter Hürzeler: «Dadurch gibt es mehr Spielzeit, denn die Reaktionszeit des Zeitmessers fällt weg. Wir haben nie erforscht, wie viel Zeit so eingespart wird, aber sicher während eines gesamten Spiels mehr als 7,9 Sekunden.» 7,9 Sekunden vor der Schlusssirene erzielte die Eishockey-Nationalmannschaft letzten Mittwoch gegen Lettland das Siegtor im ersten Olympiaspiel.
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