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UBS-Chef Ermotti: Schweiz steckt im Wirtschaftskrieg

Während Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf in Washington über eine Lösung im US-Steuerstreit verhandelt, fährt Sergio Ermotti schweres Geschütz auf: «Für uns ist das ein Wirtschaftskrieg», sagt der UBS-Konzernchef.

Südostschweiz
23.04.12 - 02:00 Uhr

Von Rebecca Vermont

Die Angriffe auf das Schweizer Bankgeheimnis sind für den UBS-Chef Sergio Ermotti nichts ande- res als ein Wirtschaftskrieg. Die Schweiz werde seit 2008 attackiert, sagte er in einem Interview mit der «Sonntags-Zeitung». Ziel sei es, den Finanzplatz zu schwächen. Es gehe darum, die zwei Schweizer Grossbanken, die international erfolgreich sind, zu schwächen. Dies müsse einmal gesagt werden, meint Ermotti. Nicht nur ausländische Politiker hätten ein Interesse an den Angriffen auf die Schweiz, sondern auch «unsere Konkurrenten». «Unsere Banken verwalten 2,2 Billionen Franken ausländische Vermögen.»

«Da wollen sich einige Konkurrenzbanken und ausländische Finanzplätze zusätzliche Marktanteile verschaffen», sagte der UBS- Chef im Interview. Viele hätten ein Interesse daran, dass der Finanzplatz Schweiz in die Knie gezwungen werde. Auf die Frage, wie sich die Schweiz denn wehren solle, antwortete Ermotti: «Wir mussten bisher schon zu viele Konzessionen machen.» Die UBS unterstütze die Weissgeldstrategie. In einem wichtigen Punkt aber habe die Schweiz «einen Fehler gemacht». Die Umstellung sei viel zu schnell erfolgt. Das bisherige Geschäftsmodell habe sich über die letzten 60 Jahre entwickelt. Nun solle innert eines Jahres alles anders werden. «Wir hätten mehr Zeit für die Anpassungen gebraucht.»

Das Problem ist das Tempo

Für die Umsetzung der Abgeltungssteuer wären fünf bis sechs Jahre «ideal gewesen». Das Problem seien nicht die Abkommen, «sondern das Tempo der Umsetzung», sagte Ermotti. Viele Politiker unterschätzten zudem die wirtschaftlichen Folgen der «Kehrtwende» für den Finanzplatz und die Schweiz.

20 000 Arbeitsplätze betroffen

Ermotti rechnet damit, dass in den nächsten Jahren auf dem Schweizer Finanzplatz 20 Prozent der Jobs, «also rund 20 000 Arbeitsplätze», verloren gehen.

Davon, den automatischen Informationsaustausch als Angebot in die Verhandlungen mit anderen Staaten einzuwerfen, hält Ermotti nichts. Die Schweiz habe sich für die Abgeltungssteuer entschieden. Es wäre völlig falsch, mitten in den Verhandlungen die Strategie zu ändern. Aber: «Der Informationsaustausch ist eine Option für die Zukunft.»

Das Steuerabkommen mit Deutschland empfiehlt er zur Ablehnung, sollte das Parlament in Deutschland es versenken.

Zwar brauche es langfristig eine Lösung mit Deutschland, aber es gebe dann eine Chance, das Timing anzupassen. In Bezug auf den Steuerstreit mit den USA lehnt sich Ermotti zurück: «Für uns ist der Steuerstreit mit den USA abgeschlossen.»

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