Nach dem dritten Konkurs wird «Oberalp» nun versteigert
Das Sedruner Traditionshotel «Oberalp» kommt unter den Hammer. Ab 2001 gehörte es der Hotel Oberalp AG – über sie wurde dreimal der Konkurs eröffnet. Ein rettender Investor soll zudem von der Gemeinde vergrault worden sein.
Das Sedruner Traditionshotel «Oberalp» kommt unter den Hammer. Ab 2001 gehörte es der Hotel Oberalp AG – über sie wurde dreimal der Konkurs eröffnet. Ein rettender Investor soll zudem von der Gemeinde vergrault worden sein.
Von Jano Felice Pajarola
Tujetsch. – Seit gestern ist klar: Mitte April wird das Hotel «Oberalp» in Sedrun versteigert. Das Konkursamt Surselva hat den Termin in der jüngsten Ausgabe des «Amtsblatts des Kantons Graubünden» publiziert. Auf gut zwei Millionen Franken beläuft sich der Schätzwert von Haupt- und Nebengebäude, gelegen unmittelbar an der Hauptstrasse durch Sedrun. Mit der Versteigerung endet auch die Geschichte der Hotel Oberalp AG, 2001 gegründet und seit 2007 im Besitz einer Firma des aus Disentis stammenden Vermögensverwalters Richard Petschen.
2011 gabs keine Rettung mehr
Petschen sorgte damals für Schlagzeilen, weil er seine Firmen unter umstrittenen Umständen mit dem Titel eines Adligen schmückte – «Sándor Prince of Sayn-Wittgenstein Company Group». Zu dieser Gruppe gehörte auch jene Firma, die damals die Hotel Oberalp AG erwarb. Gemäss Handelsamtsblatt hat die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht im Jahr 2010 vorübergehend zwei Untersuchungsbeauftragte in den Verwaltungsrat eben jener Firma platziert.
Zurück zur Hotel Oberalp AG: Sie hat auch sonst eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Unter anderem wurde über sie dreimal der Konkurs eröffnet. Zweimal – 2007 und 2008 – konnte die Gesellschaft gerettet werden; im August 2011 klappte das aber nicht mehr. «Diesen Konkurs hat das Gericht nicht mehr widerrufen», erklärt der zuständige Konkursbeamte Albert Chistell, «also wurde die Zahlungsfähigkeit als nicht mehr gegeben beurteilt.»
Für die laufende Wintersaison hat denn auch das Konkursamt Surselva den Betrieb sichergestellt und das Hotel verpachtet, wie Chistell bestätigt. Bis Ende April laufe der entsprechende Vertrag. «Wir hoffen natürlich, dass es an der Versteigerung einen neuen Besitzer gibt.» Das hofft auch Pancrazi Berther, Tujetschs Gemeindepräsident. «Das Hotel ist an bester Lage, es hat zudem nach Süden Erweiterungsmöglichkeiten, also durchaus Potenzial», meint er. «Man muss es aber sicher zuerst sanieren.» Früher sei es eines der besseren Häuser im Dorf gewesen, «wir hoffen, dass es das mit einem neuen Besitzer wieder wird». Eine Umnutzung zu Zweitwohnungen sei derzeit dank der verhängten Planungszone nicht möglich – und werde auch unter den künftigen Bestimmungen «sehr schwierig» sein.
Investor wollte alle Flächen für sich
Berther sieht sich allerdings auch mit Vorwürfen konfrontiert. Laut Martin G. Cavegn von der einst für die Hotel-AG als Revisionsstelle tätigen Solida Treuhand hätte es einen Investor gegeben, der nicht nur die Hotelgesellschaft hätte retten wollen, er hätte sogar weitere grosse Investitionen in Sedrun getätigt. Doch der Gemeindevorstand habe diese Chance nicht weiterverfolgt, obwohl der Investor als Beweis seines Willens die Hypothek auf dem Hotel erworben habe.
Berther bestätigt, dass es Kontakte mit dem Investor – einer Projektentwicklerfirma aus der Schweiz – gegeben hat. «Wir haben immer wieder Interessenten. In diesem Fall haben wir uns nicht gefunden, die Vorstellungen des Entwicklers und der Gemeinde haben sich nicht gedeckt», so Berther. «Die Firma wollte alle in Sedrun für Projekte zur Verfügung stehenden Flächen für sich sichern.» Und dazu habe der Gemeindevorstand sein Einverständnis nicht geben können.
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