Eine Regierungskrise als Zukunftschance
Man reibt sich die Augen: Silvio Berlusconi, der sein Land an den Rand der Zahlungsunfähigkeit regiert hatte und vor einem Jahr von Staatspräsident Giorgio Napolitano gegen Mario Monti ausgewechselt werden musste, nimmt eine Regierungskrise in Kauf, um gegen Montis Sanierungskurs, den Euro und die deutsche «Hegemonin» Angela Merkel in einen billigen, populistischen Wahlkampf zu treten.
Man reibt sich die Augen: Silvio Berlusconi, der sein Land an den Rand der Zahlungsunfähigkeit regiert hatte und vor einem Jahr von Staatspräsident Giorgio Napolitano gegen Mario Monti ausgewechselt werden musste, nimmt eine Regierungskrise in Kauf, um gegen Montis Sanierungskurs, den Euro und die deutsche «Hegemonin» Angela Merkel in einen billigen, populistischen Wahlkampf zu treten.
Von Dominik Straub
Der krankhafte Egozentriker aus Mailand zerstört damit einen grossen Teil des Vertrauens und des Respekts gegenüber Italien, die sein Nachfolger in seinem Jahr als Premier aufbauen konnte, nicht zuletzt dank der beachtlichen Opferbereitschaft der Italiener.
Was seine Eskapaden für sein Land bedeuten, war und ist Berlusconi freilich völlig egal: Getrieben von katastrophalen Popularitätswerten und einem ständig wachsenden Vorsprung des moderaten linken Partito Democratico (PD) in den Umfragen hofft er, die Parlamentswahlen vom Frühling in ein Referendum «ich oder die linken Europaknechte» zu verwandeln. An einen Sieg glaubt nicht einmal er selber – aber er hofft auf ein Patt im Senat, um sich dann erneut als Retter der Nation aufzuspielen.
Nur: Diesmal hat sich Berlusconi mit grosser Wahrscheinlichkeit verrechnet. Der clevere Monti hat das Spiel durchschaut: Mit seinem Rücktritt hat er dem ganzen Land die politische Verantwortungslosigkeit Berlusconis aufgezeigt. Diesem droht eine vernichtende Niederlage – und so bietet die jetzige Regierungskrise den Italienern die Chance, sich endlich vom Albtraum Berlusconi zu befreien. Es reicht jetzt. Oder wie man hier sagt: «Basta!»
zentralredaktion@suedostschweiz.ch
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