Ein Krisenland mit viel Talent
Wirtschaftlich liegt das spanische Königreich am Boden, im Fussball steht Spanien hingegen ganz oben. Die «rote Furie», wie die Elf wegen ihres roten Trikots und ihres berühmten Kampfgeistes gerufen wird, hat der Welt auf dem Fussballplatz eine Lektion erteilt.
Wirtschaftlich liegt das spanische Königreich am Boden, im Fussball steht Spanien hingegen ganz oben. Die «rote Furie», wie die Elf wegen ihres roten Trikots und ihres berühmten Kampfgeistes gerufen wird, hat der Welt auf dem Fussballplatz eine Lektion erteilt.
Von Ralph Schulze
Und bewiesen, dass das viel kritisierte Krisenland Spanien doch etwas zu bieten hat. Dem angeknacksten Selbstbewusstsein dieser geschundenen Nation dürfte dieser historische EM-Titel guttun. Immobiliencrash, Wirtschaftskrise, Bankenpleiten, Massenarbeitslosigkeit, Schuldendrama, die drohende Staatspleite: Das Land konnte schon lange keine guten Nachrichten mehr feiern. Umso grösser ist nun die Explosion der Freude.
Von Spanien kann man sich abgucken, wie man heutzutage Fussball spielt. Eben nicht nur mit eiserner Disziplin und perfekter Technik. Sondern auch mit grossartiger Kreativität und sprühendem Improvisationstalent. Und man kann zugleich lernen, wie man ordentlich feiert: ausgelassen, leidenschaftlich und ohne immer gleich an die eigenen Probleme zu denken.
Ausländische Wirtschaftskonzerne haben längst erkannt, dass gut ausgebildete spanische Spezialisten mit ihrer ideenreichen Sichtweise jedes Arbeitsteam bereichern. Und dass in Spanien nicht nur auf dem Fussballplatz grosse Talente herumlaufen. Das Klischee vom schläfrigen südeuropäischen Land gehört schon länger in die Mottenkiste. Auch in Spanien wird hart gearbeitet.
Jetzt muss man der spanischen Fussballnation nur noch wünschen, dass sie nach der feuchtfröhlichen EM-Party nicht gleich wieder mit einem schmerzhaften Kater aufwacht. Und dass es doch gelingt, auch auf anderen Feldern jene Wunder zu vollbringen, welche auf dem Fussballplatz seit Jahren die Welt erstaunen lassen. Dafür könnten die Spanier einen solidarischen Teamgeist, wie ihn die «rote Furie» an den Tag legt, ziemlich gut gebrauchen. Denn dann könnte das spanische Volk vielleicht jenen Herrschenden, welche im Krisen-Königreich den Fortschritt durch Korruption und Misswirtschaft aufhalten, endlich die Rote Karte zeigen.
zentralredaktion@suedostschweiz.ch
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