Ein Glas auf den glasklaren Sieg
Die Tunnelgegner um die «IG Mobilität» haben es geschafft: (Fast) alleine gegen die Stadt, den Kanton und das Gros der Parteien. Der Stadttunnel ist begraben. Jetzt will die IG Gas geben. Für eine andere Tunnel-Lösung.
Die Tunnelgegner um die «IG Mobilität» haben es geschafft: (Fast) alleine gegen die Stadt, den Kanton und das Gros der Parteien. Der Stadttunnel ist begraben. Jetzt will die IG Gas geben. Für eine andere Tunnel-Lösung.
Von Adrian Huber
Rapperswil-Jona. – Eine unheimliche Spannung liegt in der Luft, gestern um 14 Uhr vor dem «Fabrik Café» in Rapperswil-Jona. Die Tunnelgegner um die «IG Mobilität» warten gebannt auf das Resultat der Abstimmung.
Stephan Boenders tigert unruhig vor dem Café auf und ab, in der rechten Hand sein iPhone. Immer wieder prüft er seine Mails, durchforstet er das Internet. «Wann kommt das Ergebnis?» fragt er sich und die Runde. Andere schauen unablässig auf ihr Handy oder telefonieren wild um sich. Und einer, er trägt einen Knopf im Ohr, kündigt an: «In fünf Minuten bringen sie es im Radio.»
«IG Mobilität» lässt Zeis hochleben
Erlöst werden sie dann aber von einem «Südostschweiz»-Mitarbeiter, der vom Redaktionsleiter informiert worden ist: «5383 Nein- zu 4528 Ja-Stimmen.» Riesenjubel bricht aus. Die Tunnelgegner sind kaum mehr zu halten. Fallen einander in die Arme. Sie haben gewonnen. (Fast) alleine gegen Stadt, Kanton und das Gros der Parteien. Politisch unterstützt nur von den Grünen und dem VCS.
Als Markus Gisler anrollt, wie fast alle mit dem Velo, wird gerade der Weisswein serviert. Der ehemalige Cash-Chefredaktor und IG-Pressesprecher staunt, als er das Ergebnis erfährt. Gläser klirren, da und dort hallt Gelächter auf, man beglückwünscht sich – und wartet auf den «Vater» dieses Erfolgs: Hubert Zeis. Er sei noch bei einer Taufe eingeladen und habe sich auf 14.30 Uhr angekündigt, weiss Charly Hochstrasser. Als Zeis zu Fuss in die Klaus-Gebert-Strasse einbiegt, gibt es kein Halten mehr. Jubelnd und applaudierend lässt die «IG Mobilität» ihren Chef hochleben.
Stadträte sollen «Weg frei machen»
Zeis freut sich nicht nur über die hohe Stimmbeteiligung von 56 Prozent, sondern auch über die Deutlichkeit des Ergebnisses: «Die Bevölkerung hat gemerkt, was das Projekt bietet. Und sie hat sich sachlich gegen diese Art von Verkehrsverlagerung ausgesprochen.»
Er fordert den Stadtrat dazu auf, sich über die eigene Rolle Gedanken zu machen, vor allem hinsichtlich der Informationspolitik. «Seine Propaganda in dieser Sachvorlage hat zum Glück nicht gegriffen.» Und Zeis stellt sich die Frage: Sind diejenigen Stadträte, die gesagt haben, dass bei einem Nein bis im Jahr 2050 nichts mehr läuft, immer noch dieser Meinung? «Falls ja, dann wäre es angesagt, den Weg frei zu machen.» Für ihn selber ist jedenfalls klar: Die «IG Mobilität» macht weiter. Sie hätten sich nie nur als Gegenpartei verstanden, bekräftigt Zeis, «sondern wir wollen die Verkehrssituation verbessern.»
«Stadtrat hat Klatsche bekommen»
Für Markus Gisler ist das Resultat «ein Beweis dafür, dass man trotz medialer Wirkung nicht gegen den Strom schwimmen kann.» Jetzt sei entscheidend, dass der Stadt- zusammen mit dem Regierungsrat eine neue Lösung sucht. «Regierungsrat Willi Haag muss dafür sorgen, dass ein mehrheitsfähiges Projekt gefunden wird.»
Und zum Stadtrat meint Gisler: «Man muss sich das einmal vorstellen: Fast alle Parteien standen für den Tunnel ein. Jetzt hat der Stadtrat in corpore eine Klatsche bekommen.» Es sei kaum vorstellbar, mit diesem Stadtrat weiter nach einer Lösung suchen zu können.
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