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Axpo im Clinch zwischen Mangel und Überfluss

Im Inland dürfen keine neuen AKW mehr gebaut werden. Damit muss die Schweiz innerhalb von 25 Jahren 40 Prozent ihres im Inland erzeugten Stroms einsparen oder ersetzen.

Südostschweiz
24.01.12 - 01:00 Uhr

Von Hanspeter Guggenbühl

Bei der besonders atomlastigen Marktführerin Axpo sind es sogar 60 Prozent. Eine unlösbare Aufgabe? Der isolierte Blick aufs Inland vernachlässigt den wachsenden Aussenhandel: Schon heute importiert und exportiert die Stromdrehscheibe Schweiz mehr Elektrizität, als im Inland produziert wird. Ebenfalls zugenommen hat die Zahl der Kraftwerke von Schweizer Elektrizitätsfirmen im Ausland. Die Axpo etwa erzeugt im In- und Ausland zusammen 75 Prozent mehr Strom, als Haushalte und Wirtschaft in ihren inländischen Versorgungsgebieten verbrauchen. Doch dieser Überfluss wandelt sich langfristig zum Mangel, wenn die alten Atomkraftwerke nicht ersetzt werden können und der Stromverbrauch weiter wächst.

In dieser Situation hat die Axpo eine neue Strategie ohne Atomstrom entworfen. Auch diese baut auf europäische Arbeitsteilung: Strom aus neuen Windkraftwerken in der Nordsee sowie aus bestehenden, schlecht ausgelasteten Gaskraftwerken in Italien soll bis 2030 einen Teil des wegfallenden Atomstroms ersetzen. Zusätzlich plant die Axpo neue Gaskraftwerke sowie die vermehrte Verstromung von erneuerbarer Energie im Inland. Als Ausgleich für den wachsenden Importüberschuss bietet sie den umliegenden Staaten mehr Spitzenstrom an, etwa aus ihrem neuen Pumpspeicher-Kraftwerk im glarnerischen Linthal.

Diese Strategie birgt Chancen, aber auch Risiken. Denn die weiträumige Arbeitsteilung funktioniert nur, wenn das europäische Stromnetz aus- und umgebaut wird. Umweltverbände und Cleantech-Branchen fordern darum die Axpo auf, mehr erneuerbare Energie dezentral zu nutzen. Die Forderung ist gut. Aber sie richtet sich an die falsche Adresse. Denn die Axpo ist zentralistisch ausgerichtet und international vernetzt. Wer die Schweiz vermehrt dezentral versorgen will, muss der Axpo Marktanteile abjagen.

zentralredaktion@suedostschweiz.ch

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