Mario Jenal: «Für einmal wird der Vorteil zum Nachteil»
«Obwohl sich Samnaun in der Schweiz befindet, gilt bei uns also das EU-Preisniveau», sagt Mario Jenal, CEO Bergbahnen Samnaun AG, im Interview mit «suedostschweiz.ch»
«Obwohl sich Samnaun in der Schweiz befindet, gilt bei uns also das EU-Preisniveau», sagt Mario Jenal, CEO Bergbahnen Samnaun AG, im Interview mit «suedostschweiz.ch»
Herr Jenal, seit Jahren profitieren die Bergbahnen Samnaun von der Partnerschaft mit der Silvrettaseilbahn. Wird die Nähe zu den Österreichern jetzt plötzlich zum Nachteil?
In der Tat lässt uns die Wechselkurspolitik der Schweizerischen Nationalbank die Schattenseiten dieser Kooperation spüren. Weil wir im Sinne der Partnerschaft stets die gleichen Ticketpreise wie die Silvrettaseilbahn offerieren, mussten wir unsere Tarife gegenüber den Zeiten mit einem Eurokurs von 1.50 Franken bis heute künstlich um über 20 Prozent reduzieren. Obwohl sich Samnaun in der Schweiz befindet, gilt bei uns also das EU-Preisniveau. Währungsbedingt sind dadurch unsere Einnahmen empfindlich gesunken.
Inwieweit geht die Kooperation mit der Silvrettaseilbahn AG über die gemeinsamen Ticketpreise hinaus?
Die beiden Gesellschaften betreiben eine koordinierte Einkaufspolitik. Pistenfahrzeuge, Ersatzteile von Bahnen oder Lieferungen für die Gastronomie werden gemeinsam beschafft. Die zwischen uns liegende Staatsgrenze macht aber eine vollständige Angleichung der Kostenstrukturen unmöglich. Zoll- und arbeitsrechtlich herrschen in der Schweiz und Österreich unterschiedliche Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund kann etwa im Personal- oder Fuhrparkbereich, also in den Werkstätten, kein Austausch erfolgen.
Ist die aktuelle Situation ein Grund für die Bergbahnen Samnaun, den Sinn des transnationalen Verbunds der Silvretta Arena zu hinterfragen?
Nein. Grundsätzlich ist die Konstellation seit Jahren erfolgreich und für beide Seiten vorteilhaft. Für einmal wird dieser Vorteil rein währungsbedingt nun halt zum Nachteil für uns. Aber das Ganze hat gleichwohl einen positiven Aspekt für uns. Weil auch immer mehr Schweizer Touristen vom günstigen Euro profitieren möchten, steigen die entsprechenden Ankunftszahlen in Ischgl. Diese Gäste wiederum frequentieren dann in der Silvretta Arena auch unsere Bahnen und Gastronomiebetriebe und geben so trotzdem einen Teil ihres Feriengelds in der Schweiz aus.
Sind die Pommes Frites auf der Samnauner Seite nicht teurer?
Nein, die Preise unserer Gastronomie werden ebenfalls zum Vorteilskurs für den Konsumenten umgerechnet, damit auch hier Gleichheit besteht. Dies notabene alles zum Vorteil für den Gast und zu unseren Lasten. (Robert Wildi)
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