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WWF Schweiz kritisiert Bären-Abschuss

Der WWF Schweiz ist über den Abschuss von M13 in Graubünden tief enttäuscht und auch Pro Natura bedauert den Tod des Bären. Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes STS haben die zuständigen Behörden, allen voran das Bundesamt für Umwelt, versagt.

Südostschweiz
20.02.13 - 15:00 Uhr

Poschiavo. – «Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh – viel besser hätte man die Vergrämungsmassnahmen intensiviert und fortgeführt», wird WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger in einer Medienmitteilung des WWF Schweiz zitiert. M13 sei im Gegensatz zu JJ3 sicher kein Problembär gewesen, heisst es weiter. Dass er jetzt sterben musste («suedostschweiz.ch» berichtete), habe vor allem mit der tiefen Bären-Akzeptanz im Puschlav zu tun – und dies sei wiederum eine Folge mangelnder Information der Bevölkerung.

Auf Rückkehr vorbereiten

Seit 2006 haben bereits acht Bären die Schweiz besucht und es werden auch in Zukunft wieder Jungbären aus dem italienischen Trentino ins Bündnerland einwandern. «Es kann nicht sein, dass wir streng geschützte Bären töten, nur weil wir unsere Hausaufgaben nicht machen!», betont Schönenberger im Communiqué. Langfristig führe kein Weg daran vorbei, dass sich die betroffenen Alpenregionen auf die natürliche Rückeinwanderung der Grossraubtiere vorbereite.

Nachfolger müssen Chance haben

Pro Natura bedauert den Abschuss von M13 und fordert ein verstärktes Engagement des Kantons Graubünden, damit die Regionen auf weiteren Bärenbesuch vorbereitet sind. Wie die Organisation in einer Medienmitteilung schreibt, sei der Abschuss zwar sehr rasch, aber gemäss dem gültigen Bärenkonzept erfolgt. Pro Natura verlangt, dass der Kanton Graubünden einen ständigen Bärenbeauftragten einsetzt. Dieser soll einerseits die Präventionsmassnahmen vorantreiben, sowie künftig bei Bärenpräsenz sofort reagieren und die notwendigen Massnahmen zusammen mit den Betroffenen an Ort und Stelle umsetzen.

«Behördenversagen»

Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes STS haben die zuständigen Behörden, allen voran das Bundesamt für Umwelt, versagt. Einmal mehr hätten die Verantwortlichen den einfachen Weg gewählt: «Der Bär wurde zum Risikobären – mit tödlichen Folgen für das Tier.»

In ruhigen Zeiten werde ein Loblied gesungen auf die friedliche Koexistenz von Mensch und Grossraubtier, «und die tier- und naturliebende Bevölkerung wird eingelullt mit wohltönenden Massnahmenkonzepten zum Wildtiermanagement», schrieb der STS.

Sobald aber das Zusammenleben von Mensch und Wildtier etwas Probleme mache, sei das Tier dem Tod geweiht. Für den Schweizer Tierschutz sei dies nicht weiter hinnehmbar, deuteten doch alle Zeichen darauf hin, dass die zuständigen Behörden das Konzept Bär Schweiz im Puschlav nicht konsequent umgesetzt hätten. (sda/so)

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