Heinz Ehlers: Der vergessene dänische Künstler auf schwieriger Mission
Erfolg haben mit dem Aufsteiger: Heinz Ehlers hat die grösste Herausforderung aller NLA-Trainer. Warum also nicht ein Höhenflug schon vor der Saison? Die «Südostschweiz» bat den Dänen zum Interview auf Lausannes höchstem Punkt.
Erfolg haben mit dem Aufsteiger: Heinz Ehlers hat die grösste Herausforderung aller NLA-Trainer. Warum also nicht ein Höhenflug schon vor der Saison? Die «Südostschweiz» bat den Dänen zum Interview auf Lausannes höchstem Punkt.
Eishockey. – 302 Stufen, stets im Kreis, bis die Spitze des 35 Meter hohen Turmes erreicht ist. Der Aufstieg im Tour de Sauvabelin bringt auch Heinz Ehlers kurz in Atemnot. Die Aussicht oben in luftigen Höhen auf die Stadt und den Genfer See entschädigt für die Mühen und entlockt auch dem Dänen ein «Wow!» Es ist Lausannes höchster Punkt. Er habe vom Turm zuvor noch nicht gehört, entschuldigt sich Ehlers.
Dem Trainer des Lausanne Hockey Club sei dies verziehen, er ist einer der Neuen beim Aufsteiger. Die lokale Unkenntnis bekommt der vom B-Ligisten Langenthal gekommene Ehlers auch im Alltag auf den für Fremde einem Labyrinth gleichenden Strassennetz der Stadt zu spüren. «Ohne GPS geht noch nichts», gesteht der 47-Jährige. Das hat wenig gemein mit dem Eishockey, das er mit Lausanne spielen lassen will: «Organisation und Disziplin» sind Worte, die er in der nächsten Stunde immer wieder brauchen wird.
Organisation und Disziplin. Sind Künstler auf dem Spielfeld stets dem Wahn nach Struktur, Härte und Taktik verfallen, wenn sie Trainer werden? «Wahrscheinlich ist es so», sagt Ehlers und lacht. «Wenn du ein Spieler mit Übersicht bist, spielst du meistens gegen die Harten. Also willst du als Trainer, dass dein Team hart spielt, da das unbequem ist.» Natürlich liebe er auch die Spieler mit dem guten Auge. «Ich will ja nicht nur hart spielen lassen. Aber ich mag bei meinen Teams, wenn die Handschrift erkennbar ist. Also Organisation und Disziplin.»
Der Sohn wagt den Schritt
Als Spieler hat Ehlers Geschichte geschrieben. Er war 1984 der erste Däne, der von einem NHL-Klub gedraftet wurde. «Das machte mich stolz, sorgte aber für kein Aufsehen», erklärt er. Zu klein sei noch die Bedeutung von Eishockey in Dänemark gewesen. «Und Internet gab es auch noch nicht …» In die NHL schaffte er es nicht. «Ich hatte ein Angebot für die AHL. Das Geld war nicht gut, ich wartete auf eine bessere Chance. Diese kam nie.» Heute bereue er diesen Entscheid. «Vor allem, wenn ich sehe, wie viele junge Europäer es heute in Nordamerika zumindest versuchen.»
Einer davon ist sein Sohn Nikolaj Ehlers. Der 17-jährige Stürmer wechselt von Biel in die Québec Major Junior Hockey League zu den Halifax Mooseheads und ist damit einer der jungen Schweizer, die die Diskussion «NLA oder Kanadas Juniorenligen?» ausgelöst haben. Wie sieht es der Vater? «Ich sagte lange: Die beste Ausbildung gibt es in Schweden. Aber es ändert sich langsam», sagt Ehlers senior. «Wir haben uns für Nordamerika entschieden, damit Nikolaj Special Teams spielen kann. Dies braucht er für seine Entwicklung, in der NLA wäre dies sehr schwierig geworden.» Am Ursprung von Ehlers Umdenken steht Sven Bärtschi. «Ich hatte ihn in Langenthal während drei, vier Monaten, bevor er in die WHL ging. Ein Jahr später kam er als Mann zurück. Er war grösser, stärker, hatte sich unglaublich entwickelt. Da dachte ich: Vielleicht ist doch das der richtige Weg.»
Eventuell hätte Ehlers den Filius in Lausanne auch brauchen können. Doch das kam nicht in Frage: «Das wollte ich nicht. So etwas gibt nur dann keine Probleme, wenn dein Sohn der beste Spieler ist. Ansonsten gibt es immer Meckerer.» Der Skeptiker gegenüber Lausannes NLA-Chancen gibt es schon genügend. «Es ist normal, dass wir in den Prognosen unten stehen», sagt Ehlers. «Es ist aber auch schön, so können wir nur überraschen.» Ehlers hätte in Langenthal bleiben können, wo er weiter jene Mannschaft betreut hätte, die er in vier Jahren zum NLB-Spitzenteam formte und 2012 gegen das übermächtige Lausanne den Final gewann. «Weil wir das bessere System und die grössere Disziplin hatten», wie er sagt.
Die Erinnerungen an den Unfall
Als das Angebot aus Lausanne kam, sagte er dennoch zu. Um sich als Trainer weiterzuentwickeln, sei dies der richtige Schritt gewesen. «Natürlich war es hart, Langenthal zu verlassen. Das war 'meine' Mannschaft.» Er verliess «seinen» SCL mit dem Play-off-Out gegen Olten. Eine Serie, die er nie mehr vergessen wird. Eine, die ihn auch nachdenklich macht. Es war die Serie, in der Oltens Ronny Keller nach einem Zusammenstoss mit Langenthals Stefan Schnyder querschnittgelähmt wurde. Er denke immer wieder zurück an diesen Abend und an Ronny Keller, sagt Ehlers. «Das war schlimm. Das hat sehr weh getan, auch jedem beteiligten Spieler.» Er hoffe, dass Keller dennoch ein gutes Leben weiterführen könne. «Und ich bin froh, dass Stefan weitermacht. Er hat es nicht verdient, so aufhören zu müssen.» Viel mehr Worte mag Ehlers dazu nicht mehr verlieren. «Die meisten fanden die Aktion korrekt. Aber es gibt auch jene, die sich durch diese Aussage provoziert fühlen. Auch sie muss man respektieren.»
Dann, auf dem Weg nach unten, beim Verlassen des Tour de Sauvabelin, geht Ehlers «Höhenflug» zu Ende. Vorerst. Zurück auf dem sicheren Boden darf dennoch geträumt werden. Es gebe in Lausanne ein teaminternes Ziel, sagt Ehlers, doch das behalte er für sich. Die Play-offs? Ehlers überlegt und sagt: «Das wäre wirklich ein Traum.» (kk)
Die «Südostschweiz» porträtiert seit Dienstag bis zum Saisonstart am 12. September täglich zwei Persönlichkeiten aus der NLA.
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