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Defensivverteidiger Blatter weiss, wo sein «Zuhause» ist

Er fällt kaum auf und ist gerade deshalb so wertvoll für die SCRJ Lakers. Der 24-jährige Patrick Blatter wird fürs Verhindern von Toren bezahlt. Das Schweinwerferlicht in der Offensive überlässt er anderen.

Südostschweiz
10.03.17 - 07:30 Uhr
Eishockey
Doppelpack: Patrick Blatter (links) und Cyrill Geyer bekommen es meist mit der gegnerischen Top-Formation zu tun. (Bild: Tom Oswald Fotografie)
Doppelpack: Patrick Blatter (links) und Cyrill Geyer bekommen es meist mit der gegnerischen Top-Formation zu tun. (Bild: Tom Oswald Fotografie)

von Bernhard Camenisch

Mit seinen 192 Zentimetern Körperlänge und dem markanten Bart ist Patrick Blatter nicht zu übersehen. Auf dem Eis hingegen fällt der 24-jährige Verteidiger selten auf – nicht mit spektakulären Aktionen, aber auch nicht negativ in Form von Fehlern. Blatter als unauffällig zu bezeichnen, ist deshalb ein Kompliment. Dies empfindet er selbst so und sagt: «Mein früherer Trainer Henrik Gruth hat mir mal gesagt, ein Verteidiger sei dann gut, wenn man nach einem Spiel gar nicht wisse, ob er überhaupt mitgespielt habe.»

Nur vermeintlich Torschütze

Blatter ist ein «Stay at home»-Verteidiger. Tief in der gegnerischen Zone sieht man ihn praktisch nie. Am letzten Dienstag allerdings schon: Es lief die 36. Minute des zweiten Halbfinalspiels gegen La Chaux-de-Fonds, als sich Blatter im Nachsetzen die Scheibe zum 2:0 über die Linie drückte. Zum vermeintlichen 2:0, denn anstatt auf Tor für Blatter entschied das Schiedsrichterduo nach Konsultation des Videos auf Strafe gegen ihn. Sein Schubser gegen den gegnerischen Verteidiger wurde als Behinderung ausgelegt.

«Ich hätte mich geärgert, wenn die Strafe zu einem Gegentreffer geführt hätte», sagt Blatter. Dem Tor, das ihm weggenommen wurde, trauert er nicht nach. Dabei wäre es in vier Jahren in der Nationalliga und fast 200 Spielen erst sein zweites gewesen. Am 5. Januar 2016 hatte er zum 5:2-Sieg der Lakers in Visp das 2:0 beigesteuert. Doch Skorerpunkte sind auch nicht das, was Trainer Jeff Tomlinson vom ihm erwartet. Der 24-Jährige ist deshalb einer der wichtigsten Lakers-Verteidiger, weil er unaufgeregt, schnörkel- und risikolos spielt.

Nicht mehr lange an Geyers Seite

Seit Februar 2015 geht der Zürcher, der im Nachwuchs der ZSC Lions ausgebildet wurde, für die Lakers aufs Eis. Die meisten der 122 Spiele, die er seither bestritten hat, absolvierte er an der Seite von Cyrill Geyer – seit dem Abstieg in die NLB zumeist im ersten Block gegen die Top-Formation des Gegners. Mit Geyer ergänze er sich deshalb so gut, weil sie auf dem Eis ähnliche Typen seien, sagt Blatter.

Am Ende der laufenden Saison werden sich die Wege jedoch trennen. Blatter hat schon im Dezember einen Zweijahresvertrag bis im Frühling 2019 beim Ligakonkurrenten EHC Winterthur unterschrieben. «Ich hatte ein Angebot der Lakers. Aber so ist das im Sport, man wird sich nicht immer einig.» Im Gegensatz zu den Lakers herrscht bei den Winterthurern kein Vollprofi-Betrieb. Auch Blatter hat mit einer Alternative zum Sport begonnen. Seit letztem Sommer macht er ein Informatikstudium an der Fernfachhochschule Schweiz. Drei Jahre habe er profimässig Eishockey gespielt, erzählt Blatter. «Ausserhalb des Eisstadions war mir oft langweilig. Ich wollte mich geistig betätigen.»

Der nächste Schritt Richtung Final

Neun Semester wird das Studium insgesamt dauern. Im Januar und Februar hat Blatter die ersten drei Prüfungen hinter sich gebracht. Eine vierte hat er in den April verschoben. Schliesslich will er bis dahin mit den Play-offs beschäftigt sein. Die Lakers sind auf Finalkurs, führen in der Best-of-7-Halbfinalserie gegen den HC La Chaux-de-Fonds mit 2:0. Heute, 20 Uhr, begegnen sich die beiden Teams in La Chaux-de-Fonds das nächste Mal.

Dass die Neuenburger in den letzten beiden Spielen trotz Niederlagen über weite Strecken überlegen waren, beunruhigt Blatter nicht: «Von den Zuschauerrängen mag es ausgesehen haben, als wären wir dominiert worden. Doch auf dem Eis fühlte es sich nicht so an, weil wir nur selten gefährliche Aktionen zuliessen, auch wenn sie mehr Schüsse hatten.»

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