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Coach Bill Gilligan: «Kein Kommentar zu den Lakers»

Bill Gilligan befindet sich mit Österreich an der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Slowakei nur noch eine Niederlage vom Abstieg entfernt. Über seine Zukunftspläne hüllt sich der 56-jährige Coach in Schweigen.

Südostschweiz
07.05.11 - 11:00 Uhr

Von Hansruedi Camenisch

Eishockey. – Die Rapperswil-Jona Lakers machen kein Geheimnis daraus: Bill Gilligan gilt als Trainer-Wunschkandidat des St. Galler NLA-Eishockey-Klubs. Der Amerikaner lässt sich indes (noch) nicht in die Karten blicken. «Kein Kommentar», antwortete Gilligan gestern in Kosice auf die entsprechende konkrete Frage. Zurzeit konzentriere er sich darauf, mit Österreich den Klassenerhalt in der A-Gruppe zu schaffen. Mit seiner Zukunft befasse er sich nach der Weltmeisterschaft, bemerkte der Amerikaner.

Österreich befindet sich in rasantem Sinkflug. Das erste Relegationsspiel ging am Donnerstag gegen Weissrussland mit 2:7 verloren. In den ersten vier WM-Spielen erzielten Gilligans Schützlinge insgesamt nur drei Tore, handkehrum kassierten sie 20 Gegentreffer. Jetzt ist der Ligaerhalt nur noch mit zwei Siegen in den letzten beiden Abstiegsspielen gegen Lettland und Slowenien machbar. Selbst die eingefleischten österreichischen Eishockeyfans glauben nicht mehr an dieses Wunder.

Ohne die Besten

Das Potenzial des österreichischen Eishockeys sei nun mal wesentlich kleiner als jenes in der Schweiz, sagt Gilligan. Zu viele ausländische Spieler in der Landesmeisterschaft würden sich aufs Nationalteam negativ auswirken. Und die Nachwuchsförderung sei in den letzten 25 Jahren im Vergleich zur Schweiz verschlafen worden. An der laufenden WM fehlen dem Coach zudem die bestandenen NHL-Cracks Thomas Vanek und Michael Grabner sowie mit Bernd Brückler und Reinhard Divis die beiden besten Torhüter des Landes. Vanek hatte im Vorfeld der WM für Aufsehen gesorgt, als er das «amateur­­hafe Umfeld des Nationalteams» öffentlich kritisierte.

Wenn Gilligan vom Schweizer Eishockey redet, weiss er genau, wovon er spricht. Der EHC Chur bildete 1983/84 seine letzte Station als Spieler. 1989, 1991 und 1992 führte der Amerikaner den SC Bern als Trainer innert vier Jahren zu drei Meistertiteln. Und mit dem Schweizer Nationalteam erreichte er 1992 den vierten WM-Rang, ehe er im folgenden Jahr aus der WM-A-Gruppe abstieg. Gilligans letzte Trainerstation in der Schweiz war von 2005 bis 2007 Rapperswil-Jona.

Berner Angebot abgelehnt

Vor zwei Jahren bemühte sich der SC Bern, ihn wieder in die Bundesstadt zu holen. Gilligan sagte ab, weil er bei Graz unter Vertrag stand. «Ich wollte mich meinem Arbeitgeber gegenüber loyal verhalten», bemerkt der Amerikaner nicht ohne eine gewisse Reue. Pikant: Sein «Ersatz» Larry Huras gewann mit dem SCB auf Anhieb den Meistertitel. Gilligan schaffte es hingegen nicht, in Graz wie von der Klubführung erhofft eine Eishockey-Hochburg aufzubauen.

Das Team dominierte in dieser Saison zwar die Qualifikationsphase, scheiterte aber wie vor einem Jahr schon in den Play-off-Viertelfinals. Graz entschied sich danach, die Zusammenarbeit mit Gilligan zu beenden. Und jetzt schwimmen ihm auch die Felle im Nationalteam davon. Aus der möglichen Option, Österreichs Nationalmannschaft im Vollamt zu übernehmen, wird bei einem Abstieg bestimmt nichts.

Eher zurück nach Amerika?

Gilligan lässt sich zwei Möglichkeiten offen: die Rückkehr mit seiner Familie in die USA oder ein neuer Trainerjob in Europa – dann am ehesten wohl bei den Lakers. Einem Freund soll Gilligan in den letzten Tagen an der WM in Kosice allerdings anvertraut haben, dass er eine Heimkehr nach Amerika favorisiere.

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