Der Glarner Regierungsrat hat sich schon entschuldigt
Über 110 000 Schweizerinnen und Schweizer haben die Initiative unterschrieben, mit der gutgemacht werden soll, was Verdingkindern bis in die Achtzigerjahre angetan wurde.
Über 110 000 Schweizerinnen und Schweizer haben die Initiative unterschrieben, mit der gutgemacht werden soll, was Verdingkindern bis in die Achtzigerjahre angetan wurde.
Der Nationalrat debattiert in seiner Sondersession darüber. In Glarus gibt es seit 2013 eine Anlaufstelle für ehemalige Heim- und Verdingkinder. Rechtsanwalt und Mediator Philipp Langlotz betreut sie und hat mit einem Bericht zum Kinderheim St. Maria Pionierarbeit geleistet.
«Bemerkenswert finde ich, dass sich die Glarner Regierung offiziell entschuldigt hat», sagt Philipp Langlotz, der die Glarner Anlaufstelle für ehemalige Heim- und Verdingkinder betreut. In dieser Funktion hatte der Rechtsanwalt und Mediator im Auftrag der Regierung 2014 einen Bericht zum Diesbacher Kinderheim Santa Maria publiziert, der die Missstände beschrieb, die 1945 bis 1952 dort geherrscht hatten. Mit dem Erscheinen des Berichts hatte die Regierung «all jene Personen um Entschuldigung» gebeten, «die aufgrund von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen bis 1980 Missbrauch oder Misshandlungen erleiden mussten.»
Bis heute haben das nur wenige Kantonsregierungen getan. Und vermutlich einzigartig in der Schweiz ist, dass wie in Glarus Berichte über Heime geschrieben werden. Jener zum Diesbacher dient nun auch auf nationaler Ebene der Aufarbeitung des düsteren Kapitels der Schweizer Geschichte, in dem Kinder aus verarmten Familien, Waisen-, Heim- und Scheidungskinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Fahrende bis Anfang der Achtzigerjahre mit fürsorgerischen Massnahmen Opfer behördlicher Willkür wurden. Die sogenannte Wiedergutmachungsinitiative und der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates dazu behandelt der National- als Erstrat in seiner Sondersession vom 25. bis 27. April. (mar)
Was der Glarner Nationalrat und BDP-Chef Martin Landolt dazu sagt, steht in der «Südostschweiz» am Samstag.
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