«Huonder tritt nicht aus. Wie steht's mit euch?»
Die Freidenker-Vereinigung wirbt wegen Bischof Huonders Aussagen an Bahnhöfen auf Werbeflächen offen für den Kirchenaustritt. Landeskirchen sorgen sich um Mitgliederverlust.
Die Freidenker-Vereinigung wirbt wegen Bischof Huonders Aussagen an Bahnhöfen auf Werbeflächen offen für den Kirchenaustritt. Landeskirchen sorgen sich um Mitgliederverlust.
Wie Bischofssprecher Giuseppe Gracia gestern mitteilte, wird sich das Bistum Chur nicht mehr zu den umstrittenen Aussagen von Bischof Vitus Huonder oder zu den Strafanzeigen gegen seine Person äussern. Ganz ad acta gelegt dürfte die Affäre für die Kirche derweil nicht sein: Landeskirchen befürchten vermehrte Kirchenaustritte als Antwort auf die homophoben Aussagen des Churer Bischofs. «Es gehen deutlich mehr Mails von Gläubigen ein, die empört ihren Austritt ankündigen oder fragen, wie sie ihren Austritt formal bekannt geben müssen», sagte Aschi Rutz, Sprecher der katholischen Landeskirche Zürich gegenüber «20 Minuten».
Von dieser Situation will nun die schweizerische Freidenker-Vereinigung profitieren. Der Verein will ab nächster Woche schweizweit Katholiken den Kirchenaustritt mit dem Spruch «Huonder tritt nicht aus. Wie steht’s mit euch?» nahelegen. Auch in Chur, Landquart und Davos soll damit an Bahnhöfen geworben werden. Begleitet wird die Werbekampagne durch einen offenen Brief auf ihrer Website, in dem nicht nur Bischof Huonder, sondern die gesamte katholische Kirche scharf kritisiert wird.
«Sie sind alle Huonder»
Freidenker-Präsident Andreas Kyriacou bezeichnet in diesem Brief die Mitgliedschaft bei der römisch-katholischen Kirche als Unterstützung für «das System, welches Huonder hervorgebracht hat und weiterhin schützt». Der Kirchenaustritt soll eine Botschaft sein, die in «Chur, St. Gallen und Rom verstanden wird und dort tatsächlich etwas verändert», schreibt Kyriacou weiter. Weder das Bistum noch die Landeskirche Graubünden wollten sich gegenüber der «Südostschweiz» zur Werbekampagne äussern.
Dafür meldete sich gestern der Churer Weihbischof Marian Eleganti in einem Schreiben an die Medien zu Wort. Er zeigte sich entsetzt über den «flächendeckenden Shitstorm» im Nachgang zu Huonders Vortrag. Würde der Bischof «allen Ernstes» die Todesstrafe für homosexuelle Akte gutgeheissen, müsste man «an seinem Verstande zweifeln». «Kaum einer will mehr den Andersdenkenden verstehen», schreibt Weihbischof Eleganti weiter und kritisiert die Medien, die dem «digitalen Mob mit fehlender Sachgerechtigkeit» dienen würden. (Petar Marjanovic)
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