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Aus Freundschaft zum Erfolg

Stylist Philipp Junker und Fotografin Sarah Maurer haben im September 2014 gemeinsam das Schmucklabel Studio Mason gegründet. «Schweiz am Sonntag» hat die beiden getroffen, um die Geschichte dahinter zu erfahren.

Südostschweiz
25.09.15 - 16:55 Uhr
Ereignisse

Ich stehe im Züricher Szeneviertel Kreis Vier vor der schweren Eingangstür eines in die Jahre gekommenen Wohnhauses. Während ich die Klingelschilder nach dem richtigen Namen absuche, kommt eine elfengleiche, zierliche junge Frau um die Ecke. «Du willst sicher zu Philipp», spricht sie mich direkt an, und ich weiss, das ist Sarah Maurer. Wenige Treppenstufen später empfängt uns Philipp Junker in seiner Altbauwohnung. Die beiden begrüssen sich herzlich, wie alte Freunde, sind sie ja auch.

Studio Mason, das ist Schmuck für Mann und Frau, aus Silber und Gold. Gerade haben Junker und Maurer ihre zweite Edition vorgestellt mit dem eingängigen Namen «Luck’n’Love». Annabelle, Gala, ZEIT, Grazia, NZZ Stil, L’Officiel, SI Style, Glamour, und wie sie alle heissen – die Kreationen von Studio Mason waren schon in Modestrecken vieler namhafter Magazine zu finden. Ein beachtlicher Erfolg, denn gerade neue Labels haben es meist schwer in der hart umkämpften Modebranche Fuss zu fassen. Junker und Maurer wissen das nur zu gut. Sie sind beide seit über zehn Jahren in der Fashionwelt unterwegs – Maurer als Fotografin, Junker als Stylist. Beide selbstständig, beide erfolgreich.

So haben sie sich auch kennengelernt, wie Maurer erzählt. «Ich war noch in der Lehre und Philipp schon selbstständig, als wir unser erstes gemeinsames Shooting hatten.» Sechzehn Jahre ist das nun her. Seit dieser ersten Begegnung verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft und die Liebe zu schönen Dingen. Letztere war es auch, die Maurer eines Tages dazu bewegte, sich mit dem Thema Schmuck intensiver auseinanderzusetzen. «Als Fotografin hatte ich es immer schwer, Schmuck zu finden, der mir bei der Arbeit nicht im Weg ist», sagt Maurer. Ausserdem habe sie nur selten etwas entdeckt, was ihr wirklich gefiel. «Eines Tages habe ich dann einfach damit angefangen, mir meinen Schmuck selbst zu machen und dieses Handwerk zu erlernen», erzählt sie weiter. Dass daraus mal ein Schmucklabel werden würde, war für Maurer aber nicht abzusehen.

Junker sah da schon eher Potenzial. «Ich fand von Anfang an toll, was sie machte und habe sie einfach ein wenig gepusht», erzählt er. Aus der intensiven, freundschaftlichen und irgendwann auch kreativen Unterstützung entstand Studio Mason. Anfangs war das allerdings ein geheimes Projekt der beiden, von dem kaum jemand etwas wusste. «Als wir uns entschieden hatten das professionell aufzuziehen, haben wir es zuerst für uns behalten», so Junker. Bei solchen Unterfangen könne man nie sicher wissen, ob es gelinge oder nicht. «Wir wollten auch einfach nicht, dass vor der offiziellen Einführung von Studio Mason darüber gesprochen wird», sagt Maurer. Nur die Familie und die engsten Freunde seien eingeweiht gewesen bis zu dem Tag, als sie die Einladung für ihre erste Vernissage verschickten.

 

Dass diese Zusammenarbeit gut funktioniert, ist nicht nur zwischenmenschlich spürbar, sondern zeigt sich auch im durchschlagenden Erfolg von Studio Mason. Noch wichtiger als ihr Know-how im Modebereich und die Freude am Schmuckdesign, sei dafür aber eine gründliche Planung gewesen. «Wir haben uns damals ein halbes Jahr lang Zeit gelassen für die Website, den ganzen Papierkram, Name, Logo und Konzept», so Maurer. Diese Zeit brauche es einfach, um gewisse Dinge aufzugleisen. «Und es braucht viel mehr Zeit, als man meint», bestätigt Junker. Eine Frage war aber relativ schnell geklärt – die nach dem Namen für das Label. «Mason» ist der englische Begriff für Maurer. Eine dezente Hommage an Sarah Maurer, die mit ihren Ideen und handwerklichen Fähigkeiten den Grundstein für das Schmucklabel legte. Es sei aber auch ein Name, der international gut funktioniere, sind sich die beiden Schmuckdesigner sicher. «Die Leute sprechen den Namen Französisch, Italienisch oder auch Englisch aus – für uns passt alles», versichert Junker.

Die Kreationen von Studio Mason sind schlicht und stilsicher – kein Glitzern, Funkeln oder unnötiger Chichi. Zeitlos könnte man sagen. «Es sollen Gegenstände für den Alltag sein, die man heute gleich empfindet, wie in zehn Jahren», sagt Maurer, «Es ist Schmuck, der nicht den besonderen Moment braucht.» Das entspreche auch stark ihren eigenen Bedürfnissen.

Aber nicht nur auf Design und Qualität wird bei Studio Mason viel Wert gelegt, sondern auch darauf, wie und wo der Schmuck produziert wird. Die Prototypen stellen sie selbst her. Dafür mieten sich die beiden immer mal wieder in einer Werkstatt ein, um an ihren Kreationen zu feilen. Die Produktion grösserer Auflagen findet in Georgien statt. «Wir arbeiten dort mit vier Goldschmieden zusammen», so Maurer. Seit der zweiten Edition «Luck’n’Love» wird zudem ein Familienbetrieb in Deutschland miteinbezogen. «Für uns war von Anfang an klar, dass eine kommerzielle Produktion in China oder Indien nicht infrage kommt», sagt Junker. So gelange das Geld direkt zu den Produzenten, die sie alle persönlich kennen würden.

Mehrere Schweizer Geschäfte haben den handgefertigten Schmuck in ihr Sortiment aufgenommen und die Verkäufe laufen gut. Obwohl das Schmucklabel viel Zeit in Anspruch nimmt, arbeiten Maurer und Junker weiter in ihren Jobs als Fotografin und Stylist. «Studio Mason inspiriert meine Arbeit als Stylist, und umgekehrt ist es genau so», sagt Junker. «In unseren anderen Jobs sind wir Einzelkämpfer», so Maurer. Es mache daher umso mehr Spass, zwischendurch im Team zu arbeiten. Der Plan ist es, erst einmal so weiter zu machen. «Wir gehen einen Schritt nach dem anderen und lassen es auf uns zu kommen», sind sich die alten Freunde einmal mehr einig.

von Lea Hefti

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