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Am Stammtisch in luftiger Höhe – Premiere der Art Safiental

In Tenna ist am Samstag mit dickem blaurotem Nebel die erste Art Safiental eröffnet worden. Rund eine Woche lang haben 30 Künstler aus aller Welt in der Alps Art Academy in zahlreichen Workshops gearbeitet und künstlerische Projekte rund um die Thematik der «Land Art» entwickelt. Die dabei entstandenen Kunstwerke können bis Mitte Oktober besichtigt werden.

Am Samstag schlich sich im idyllischen Tenna urplötzlich dicker blauroter Nebel durch die Gassen, liess ein Haus verschwinden und wieder auftauchen und verwehte sich letztendlich als malerisches Moment im Talwind.

Magie? Nein: Die Ursache für das poetische Schauspiel lag in den Rauchgranaten, welche in kurzer Abfolge aus dem Tipi geflogen kamen, das derzeit hinter dem Berghaus «Alpenblick» in Tenna steht. Im Tipi selbst wiederum der 1983 in Brescia geborene Künstler Filippo Minelli, der mit dieser Intervention und unter dem Beifall der zahlreicher Anwesenden die erste Art Safiental eröffnete.

Ein Skilift als Skulptur und ein Stammtisch in luftiger Höhe

Rund eine Woche lang haben 30 Künstler aus aller Welt unter der Leitung des 1971 in St.Gallen geborenen Kurators Johannes M.Hedinger und weiterer Dozenten in der Alps Art Academy im «Alpenblick» in zahlreichen Workshops gearbeitet und künstlerische Projekte rund um die Thematik der «Land Art» entwickelt. Präsentiert werden die Resultate nun unter freiem Himmel an verschiedenen Stationen im ganzen Tal. In unmittelbarer Nähe der künstlerischen Geburtsstätte der Art Safiental befindet sich denn auch gleich die erste Station, für die wiederum Filippo Minelli verantwortlich zeichnet: Er hat den solarbetriebenen Skilift im Zentrum von Tenna in eine kinetische Skulptur verwandelt. Rund 35 Tafeln mit Emoticons und anderen Symbolen der digitalen Kultur zirkulieren im monotonen Rhythmus des Liftes in stetiger Schlaufe bergauf und bergab. Die Metapher über eine Gesellschaft, die Anonymität, Masse, Stereotypie und vermeintliche Individualität zugleich in sich vereint, entfaltet in der künstlerischen Umsetzung Minellis eine spielerische, gleichsam aber auch kraftvolle symbolische Wirkung.

Vom Skilift gehts weiter den Berg hinauf in Richtung Tenner Chrütz, wo das bekannte Künstlerkollektiv «Les Frères Chapuisat» mit einem künstlerischen Highlight aufwartet: Neben dem Gipfelkreuz erhebt sich ein komplexes begehbares Balkengeflecht, auf dessen Plateau zuoberst ein Tisch installiert ist. Dieser wiederum soll den Besuchern und den Einheimischen als Ort der Gemeinschaft, als Stammtisch dienen. Wer aber die soziale Wärme des Beisammenseins und den grossartigen Rundblick geniessen will, muss sich zuerst seinen Weg durch die eng ineinander verwobenen Balken bahnen. Ist man von der  ausgedehnten Wanderung ein wenig ermüdet, bietet das inzwischen schweizweit bekannte «Null Stern Hotel» des Ateliers für Sonderaufgaben mit einem in der Landschaft positionierten Doppelbett die Gelegenheit für ein Schläfchen unter freiem Himmel.

Reden an die Welt und gegen den Wasserfall

Wer es nach ganz «Z’Hinderst»  im Tal schafft, dem bietet sich die Möglichkeit, eine fulminante Rede an die Welt, die Natur oder die Passanten zu richten. Die Angelegenheit verlangt allerdings nach mächtiger Stimmgewalt: Denn die vom Künstlerduo Com&Com erschaffene hölzerne Bergkanzel hängt unmittelbar neben einem rauschenden Wasserfall in der Felswand. Nebst den hier angesprochenen Installationen gibt es im Safiental bis zum 16. Oktober noch vieles mehr an künstlerischen Interventionen in der Landschaft zu entdecken.

Viel Unterstützung der einheimischen Bevölkerung

Wie denken eigentlich die Einheimischen über farbige Nebelschwaden, waghalsige Holzkonstruktionen und andere künstlerische Interventionen, die so plötzlich ihre beschauliche Landschaft bevölkern? Der Landwirt und amtierende Gemeindepräsident von Tenna, Thomas Buchli jedenfalls zeigt sich begeistert: «Natürlich gab es zu Anfang hie und da Diskussionen. Aber wenn Kunst keinen Anlass mehr zu Diskussion gibt, ist sie tot», so Buchli. Und weiter: «Die Zusammenarbeit zwischen den Künstlern, den Organisatoren und der einheimischen Bevölkerung war grossartig. Hat hier ein Werkzeug gefehlt oder war dort ein Transportproblem zu lösen, hat man sich sogleich gemeinsam unter Künstlern und Einheimischen organisiert.» Die erste Art Safiental dürfte also für Künstler, Einheimische und Organisatoren ein voller Erfolg werden.

Weitere Informationen unter: www.artsafiental.ch

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Wolfgang Reuss

So 03.07.2016 - 17:10

Wenn sich diese "Künstler" - und Safiental, das das zulässt - diese Umweltvermutzung für "Kunst" halten, verkennen Sie, dass das andere viel besser können: Schauen Sie in die Welt hinaus um zu sehen, dass unser Planet noch nie so beschädigt war wie heute.
Die wahre und einzig notwendige Kunst ist die der Selbsterkenntnis. Bitte praktizieren Sie sie.

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