In der HTW brodelt die Gerüchteküche
«Gossip Girl» hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur erobert. Eine Gruppe Studenten lädt auf Facebook zum Lästern ein – ganz wie es die amerikanische Teenie-Serie vormacht.
«Gossip Girl» hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur erobert. Eine Gruppe Studenten lädt auf Facebook zum Lästern ein – ganz wie es die amerikanische Teenie-Serie vormacht.
Von Stefanie Studer
Chur. – «Die Gerüchteküche ist eröffnet», steht auf der Seite der etwa vor einer Woche gegründeten Facebook-Gemeinschaft «Gossip X HTW Edition». Auf der Pinnwand wird bereits dokumentiert, was die HTW-Studenten in ihrer Freizeit allerlei Interessantes erleben. «A.B. und M.F. haben sich am Mittwoch in Zürich abgeschossen... gemeinsam» und «P.S. und S.P. wurden in Felsberg gesichtet. Mit Körperkontakt!» Ein etwas fragwürdiges Bild wurde als Beweis dazugestellt: Ein junger Mann legt den Arm freundschaftlich um die Schulter seiner Kommilitonin.
Ob die Gerüchte stimmen, bleibt ungewiss. Genauso wie die Identität der lästernden HTW-Studentinnen und -Studenten. Da sie alle als Administratoren gelten und unter dem Namen der Gemeinschaft kommentieren, bleiben sie anonym.
Von «Gossip Girl» abgekupfert
Die Idee ist nicht neu. Genau gleich ist die amerikanische Serie Gossip Girl aufgebaut: Eine Bloggerin deckt im Internet die Intrigen der jungen New Yorker Society auf. Wer sich hinter dem Pseudonym versteckt, findet niemand heraus. Zu tratschen gibt es scheinbar genug Interessantes. Die Serie flimmert bereits seit fünf Staffeln über den Bildschirm. Was bei «Gossip Girl» so reizvoll klingt, funktioniert in der Realität aber weniger und die mysteriöse Bloggerin wird übersetzt schlicht und einfach zum Klatschweib.
Wer Gerüchte im Internet verbreitet, sollte zudem vorsichtig sein. Auf Anfrage des Onlineportals «suedostschweiz.ch» warnt der kantonale Datenschutzbeauftragte Thomas Casanova: «Wenn jemand genügend Energie einsetzt, findet er den Provider und damit den Administrator der Seite heraus.» Noch sei das ganze bloss als Klatsch und Tratsch einzustufen. Bei ehrverletzenden Inhalten höre der Spass aber auf und der Gerüchteverbreiter könnten verklagt werden.
Belästigung, Bedrängung und Nötigung mithilfe in Sozialen Netzwerken wird als Cyber-Mobbing bezeichnet. Vor allem in den USA sind solche Fälle häufig und es kam es bereits zu grösseren Prozessen gegen jugendliche Mobber.
HTW hat nichts gegen die Seite
Soweit ist es für die Churer «Gossip Girls» aber noch nicht. Noch können sie fleissig werweissen, wer mit wem, wie, wo und so. Zumindest bis die nächsten Prüfungen anstehen. An der HTW wird nämlich nicht nur gelästert, sondern auch studiert.
Und dazu gehört laut HTW-Mediensprecher Christoph Meier auch die Nutzung der Sozialen Netzwerke. «Wir sind eigentlich froh, dass unsere Studenten auf Facebook tätig sind» Solange die Gerüchteküche im kleinen Rahmen bleibe und keine ehrverletzenden Inhalte auftauchten, habe die Schule nichts gegen die Seite.
Den Betratschten wird übrigens geraten, einer anderen Facebook-Gruppe beizutreten, die da heisst: «Gerüchte über mich? Wow, muss mein Leben interessant sein.»
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