Vom Gartenroboter über die smarte Türklingel bis zum Stromzähler: Das Internet der Dinge ist längst Teil unseres Alltags. Software-Entwickler Peter Baumann erklärt, was hinter dem Begriff steckt.
Fangen wir ganz vorne an: Was bedeutet «Internet der Dinge» eigentlich – und was kann man sich darunter im Alltag vorstellen?
Bei Internet der Dinge («Internet of things», IoT) geht es um Messen, Steuern und Regeln. Heute finden wir solche Systeme praktisch überall. Zum Beispiel beim Stromverbrauch: Früher wurde dieser über einen mechanischen Zähler erfasst und jemand musste kommen, um diesen abzulesen. Heute können elektronische Stromzähler die Daten digital übermitteln. Das eröffnet neue Möglichkeiten, weil Informationen nicht mehr nur abgelesen, sondern elektronisch ausgewertet und weiterverarbeitet werden können.
Wo begegnet uns IoT heute schon, vielleicht ohne dass wir es überhaupt merken?
Vielerorts. Eine smarte Türklingel kann beispielsweise erkennen, dass sich jemand vor der Tür befindet, eine Kamera aktivieren, das Gesicht scannen und eine Meldung aufs Smartphone schicken. Bei einem Zutrittssystem kommuniziert eine Karte über RFID mit einem Lesegerät und dem dahinterliegenden Netzwerk. Die Information wird erfasst, verarbeitet und weitergeleitet. Spannend wird es dann, wenn verschiedene Informationen miteinander verknüpft werden. Dann kann aus einem Sensorwert eine konkrete Handlung entstehen.
Was macht ein Gerät überhaupt zu einem «smarten» oder vernetzten Gerät? Reicht es, wenn es mit dem Smartphone verbunden ist?
Nein. Nur weil ich ein Gerät mit dem Smartphone steuern kann, ist es noch nicht unbedingt smart. Entscheidend ist, dass ein Gerät Informationen erfassen und darauf reagieren kann. Ein wirklich smartes System verbindet verschiedene Informationen miteinander und kann daraus selbstständig eine Handlung ableiten. Der Gartenroboter ist dafür ein gutes Beispiel. Er bekommt nicht bei jeder Bewegung einen neuen Befehl vom Menschen. Er kennt seine Fläche, erkennt Hindernisse, weiss, wann seine Batterie leer wird, fährt zum Laden und kann danach seine Arbeit wieder aufnehmen. Der Mensch gibt die Rahmenbedingungen vor – vieles andere erledigt das System selbst.
«Gute Vernetzung macht den Alltag einfacher» | Südostschweiz
Wo liegt der konkrete Mehrwert für uns als Nutzerinnen und Nutzer?
Im besten Fall darin, dass uns Technik Routinearbeit abnimmt. Wir müssen nicht mehr ständig selbst steuern und kontrollieren. Ein Staubsaugerroboter kann nachts seine Runden drehen, ein Gartenroboter mäht selbstständig und ein intelligentes Energiesystem kann verschiedene Geräte aufeinander abstimmen.
Das wird auch bei der Planung von Gebäuden zunehmend interessant. Wenn wir heute ein Gebäude bauen, sollten wir nicht nur überlegen, ob es rollstuhlgängig ist. Wir sollten uns auch fragen, wie automatisierte Systeme darin funktionieren können. Ein Roboter sollte beispielsweise selbstständig durch ein Gebäude fahren können. Treppen sind für solche Systeme ein unüberwindbares Hindernis. Wenn man solche Anforderungen früh berücksichtigt, kann man Barrierefreiheit und Automatisierung miteinander verbinden.
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Wenn man solche Anforderungen beim Bauen früh berücksichtigt, kann man Barrierefreiheit und Automatisierung miteinander verbinden.»
Peter Baumann, Software-Entwickler und Inhaber Swiss IoT
Können Sie uns ein Beispiel nennen, bei dem IoT nicht einfach ein technisches Spielzeug ist, sondern im Alltag tatsächlich einen Unterschied macht?
Das Stromnetz ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Smart Meter werden heute zunehmend ausgerollt und ermöglichen eine viel genauere Erfassung des Stromverbrauchs. In Zukunft können daraus intelligente Stromnetze entstehen, in denen Verbrauch und Produktion besser aufeinander abgestimmt werden. Dann könnte beispielsweise ein System entscheiden, wann eine Waschmaschine oder eine Wärmepumpe betrieben wird. Das Ziel ist nicht, dass der Mensch ständig eingreifen muss. Die Systeme sollen Informationen austauschen und im Hintergrund sinnvoll reagieren.
Ein häufiger Vorbehalt ist: «Ich möchte nicht, dass mein Zuhause ständig Daten über mich sammelt.» Wie wichtig sind Datenschutz und Sicherheit bei Swiss IoT?
Das ist ein zentraler Punkt. Je stärker Geräte miteinander vernetzt sind, desto wichtiger ist die Frage, welche Daten überhaupt erfasst werden, wer darauf zugreifen kann und was damit passiert. Dabei muss man zwischen der Verarbeitung und der Speicherung unterscheiden. Eine Kamera kann beispielsweise ein Bild analysieren, um ein Hindernis zu erkennen, ohne dass daraus zwingend ein dauerhaft gespeichertes Video entstehen muss. Man sollte deshalb bei einem vernetzten Gerät genau hinschauen: Welche Daten werden erfasst? Werden sie gespeichert? Wo werden sie verarbeitet? Und wer hat Zugriff darauf? Gute Systeme sollten transparent machen, was sie tun.
Wenn wir fünf oder zehn Jahre vorausblicken: Was wird Internet of Things in unserem Alltag verändern?
Ich glaube, dass verschiedene Systeme in Zukunft viel stärker miteinander komunizieren werden. Das Entscheidende wird dann vielleicht gar nicht mehr sein, dass ein Gerät besonders viele Funktionen hat. Entscheidend ist, dass es die richtige Information zur richtigen Zeit bekommt und daraus selbstständig das Richtige macht. Das kann beim Gartenroboter beginnen und beim gesamten Gebäude weitergehen. Heizung, Beleuchtung, Energieverbrauch, Haushaltsgeräte oder Sicherheitssysteme können miteinander kommunizieren. Der Mensch muss dann nicht mehr jedes einzelne Gerät bedienen.
Die eigentliche Entwicklung wäre also: weniger Technik, die wir bedienen müssen – und mehr Technik, die uns Arbeit abnimmt?
Genau. Gute Vernetzung sollte den Alltag einfacher machen, nicht komplizierter. Wenn ich für jede Kleinigkeit eine App öffnen muss, habe ich wenig gewonnen. Im Idealfall funktioniert die Technik einfach im Hintergrund. Dann merken wir vielleicht irgendwann gar nicht mehr, dass wir mitten im Internet der Dinge leben.
Über Swiss IoT:
Swiss IoT ist der verlässliche Partner für innovative Produkte und Dienstleistungen im Bereich Internet der Dinge (IoT). Wir verbinden physische Geräte intelligent mit dem Internet, um effiziente Lösungen für Unternehmen und Privatkunden zu schaffen.
Unser Engagement: persönliche Betreuung, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist.