Zurück auf die Strasse, zurück ins Bewusstsein
Nach langer Pause wird in Chur und Davos erneut für den Klimaschutz demonstriert, und zwar zu Fuss oder auf dem Velo. «Wir wollen das Thema wieder zurück in den Fokus der Öffentlichkeit bringen», sagt Gabriel Reiber vom Klimastreik Graubünden. «Nach dem Höhepunkt letzten Herbst hat sich das Ganze spätestens seit der Pandemie ziemlich verloren. Jetzt wollen wir ein grosses Comeback geben.» Dieses beginnt morgen auf der Churer Bahnhofstrasse. «Wir werden eine Figur aufstellen, die auf die Demo aufmerksam macht und auch provozieren soll», verrät Reiber.
Gemässigter als die Zürcher
Zurzeit ruft die nationale Organisation Klimastreik Schweiz für die letzte Septemberwoche zu «massivem zivilem Ungehorsam» in Bern auf. Was genau dahinter steht, ist aber noch geheim (Ausgabe vom 12. August). Ein Zusammenhang mit den Demonstrationen in Graubünden besteht laut Reiber nur insofern, als dass die Bündner Klimabewegung zu dieser Zeit ihr Comeback ansetzen will und die Menschen auch für Aktionen des zivilen Ungehorsams motivieren möchte. Reiber stellt aber klar, dass die beiden angekündigten Demonstrationen nichts mit zivilem Ungehorsam zu tun haben: «Es befindet sich alles wie üblich im gesetzlichen Rahmen.»
In Grossstädten wie Zürich und Basel haben Aktionen von Klimaaktivistinnen und -aktivisten sogar zu Verhaftungen geführt. Sind die Bündner also vergleichsweise gemässigt? «Vielleicht ist das durchschnittlich schon so», findet Reiber. «Aber die Gesinnungen innerhalb der Bewegung sind unterschiedlich.» Er gibt zu bedenken, dass in Ballungsräumen schnell viele Menschen zusammen kämen, die zu radikaleren Aktionen bereit seien – im Gegensatz zu Graubünden.
Deshalb ist die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden aber nicht einfacher. «Die Verhandlungen mit der Stadtpolizei Chur sind zunehmend zeitaufwendiger und sie ist immer weniger entgegenkommend», so Reiber.
Bewegung ist reifer geworden
Die Klimabewegung «Fridays for Future» hat im August ihr 2-Jahr-Jubiläum gefeiert. Reiber blickt auf die Anfangsphase der Klimastreiks zurück: «Es gab eine grosse Euphorie, viele Leute haben sich plötzlich für die Klimaerwärmung interessiert und sind auf die Strasse gegangen.» Dieser Hype sei mittlerweile verschwunden. Bei vielen Menschen habe das Engagement mit der Zeit nachgelassen.