Zu Besuch beim visuellen Gedächtnis des Kantons Graubünden
Von Andri Dürst
Nicht nur das Produzieren von Fotos fasziniert viele Menschen. Auch das Betrachten von alten Bildern ist oftmals etwas Besonderes und mit Emotionen verbunden.
Dafür, dass historische Fotos und somit auch Emotionen nicht verloren gehen, sorgt die Fotostiftung Graubünden. Auf ihrer Internetseite bezeichnet sie sich auch als «das visuelle Gedächtnis des Kantons Graubünden.» Und dieses «Gedächtnis» kann sich mittlerweile sehen lassen: «Wir haben in unserem Archiv etwa eine halbe Million Originalbilder», informiert Geschäftsführer Pascal Werner. Er hat zusammen mit zwei Schulfreunden 2007 einen Verein gegründet, der das Ziel hatte, das Vermächtnis der Bündner Fotografie zu erhalten und zu vermitteln. 2013 wurde das Ganze dann in eine Stiftung überführt. Seither kamen wichtige Bestände in das Archiv, so etwa mehrere Tausend Fotografien des Engadin-Press-Archivs aus den Jahren 1880 bis 2000.
KI und Algorithmen helfen mit
Schon zu Beginn waren die Gründer darum bemüht, die historischen Fotografien zu digitalisieren. Glücklicherweise setzte man schon von Anfang an auf eine gute Auflösung, sodass die damals erstellten Digitalisate nach wie vor qualitativ den heutigen Ansprüchen standhalten. Einem Punkt habe man aber nicht so sehr Beachtung geschenkt, wie es andere Archive getan hätten: der Beschreibung der Bilder. «Anfangs wurden wir teilweise kritisiert, weil die Bilder in unserem Archiv schlecht beschrieben waren», blickt Pascal Werner zurück. Mittlerweile hat die Fotostiftung den Spiess aber umgedreht: Mit Johannes Meyer, einem der beiden Schulfreunde, gründete er 2020 die Firma Locomot und entwickelte in Zusammenarbeit mit der ETH ein Programm zur automatischen Beschreibung von Archivbildern. Dazu mussten aber die Algorithmen, die die Fotos abchecken, «erzogen» werden. «Wir mussten dem Programm beispielsweise beibringen, dass ein Kirchturm ein Kirchturm ist und nicht etwa ein Hochhaus», erklärt der Geschäftsführer. Dank künstlicher Intelligenz (KI) könne man Schwarz-Weiss-Fotos auch kolorieren, was die automatische Bilderkennung wiederum vereinfache.