Kirchenfenster
Im Zweiten Weltkrieg, wohl 1942 – 1943, malt Georges Rouault Christus in der Tradition des «Ecce Homo» (so oder dies der Mensch). Mitten in aufwühlenden Zeiten, von denen jetzt auch in neuerer Weise das Bettagsmandat 2024 spricht. Rouault stellt Christus als Angeklagten dar. Zeigt ihn als Verspotteten. Damit verbindet er das Leiden der Welt mit Gott. Das ist mir insofern bedeutsam, weil heutzutage zu viel Leid («umgeben von Krisen» Mandat) unverbunden und bindungslos herumliegt. Wer sieht es? Wer geht damit um? Oder kann es achtlos weiterhin liegengelassen werden?
Zudem irrlichtern die Verspottungen und Verleumdungen, Missredereien, Verschwörungstheorien in den sozialen Medien. Deren Asozialsein gebärdet sich immer dreister. Ein Grundstress innerhalb unserer Demokratie im Alltag! Verwundungen eben, Abfälligkeiten, die sich Menschen, ohne dafür einzustehen, antun.
Zurück zum Christus von Rouault: Es fällt mir auf, dass das Rot innerhalb der Dornenkrone Christi nicht nur mit seinen Verwundungen und seinem Wundmantel verbunden ist, sondern auch mit der roten Sonne im Hintergrund – oberhalb des Horizonts.
Erst wenn ich mich hineinversetze, einfühle, wenn ich dem anderen hinterherdenke, mich auf Augenhöhe im öffentlichen Raum auseinandersetze, ohne wüst zu polemisieren, gelange ich zur Hinsicht des Bettagsmandats: «Mündige Bürger sind Bürger, die mitreden können.» Mitreden meint etwas anderes, als zu schwafeln, zu labern, andere gemeinzureden oder durch verächtliches Gerede herabzusetzen.
Von Heinz Detlef Stäps gibt es eine kleine Aufforderung zum Christusbild von Rouault:
«schau mich an
schau in mich hinein
schau durch meine Maske hindurch
sieh mein Elend
sieh meine Armut
sieh meine Leere