Ist der Zinsgipfel bei den Hypothekarzinsen erreicht?
von Martin Gartmann, Leiter Privatkunden & Hypotheken bei der Graubündner Kantonalbank
Um die Inflation zu bekämpfen, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzinssatz von minus 0.75 Prozent auf heute 1.75 Prozent angehoben. Da sich der für die Festlegung des Zinssatzes der Geldmarkthypothek relevante Basiszinssatz (Saron) am Leitzins orientiert, haben sich deren Kosten seit dem Tiefststand mehr als verdoppelt. Wohin die Zinsreise bei der Geldmarkthypothek geht, ist schwierig abzuschätzen. Obwohl sich die Inflationsrate in der Schweiz mittlerweile nahe dem Inflationsziel von 2 Prozent bewegt, ist damit zu rechnen, dass die SNB diesen Herbst einen weiteren Zinsschritt von 0.25 Prozent vollziehen wird. Dies, weil die Inflationsprognosen für die kommenden Jahre leicht über dem angestrebten Zielwert von 2 Prozent liegen. Sollte es zu einer Leitzinserhöhung kommen, erhöhen sich auch die Kosten für eine Geldmarkthypothek.
Bei Festhypotheken mit Laufzeiten ab einem Jahr ist der Aufwärtsdruck beschränkt vorhanden. Der grosse Vorteil der Festhypothek im Vergleich mit der Geldmarkthypothek ist die Planungssicherheit. Egal, in welche Richtung sich die Zinsen entwickeln, die Zinsbelastung bleibt bis zum Ende der Laufzeit gleich hoch. Allerdings birgt ein Abschluss auch Risiken in sich: Wenn die Zinsen wieder sinken, zahlt man den festgelegten Zins bis zum Auslauf der Hypothek trotzdem weiter. Lebensereignisse wie eine Scheidung, eine schwere Krankheit oder eine berufliche Veränderung können dazu führen, dass man sein Eigenheim verkaufen und die Festhypothek vor Vertragsende zurückbezahlen muss. Dies ist in der Regel mit einer substanziellen Entschädigung verbunden.
Um sich bezüglich der eingesetzten Hypothekarinstrumente langfristig richtig zu positionieren, sind drei Schritte zielführend – Planung, Umsetzung und Kontrolle.
Strategie vor Struktur
Zu Beginn zentral ist die Wahl der passenden Finanzierungsstrategie. Basis dazu bilden die Analyse der persönlichen und finanziellen Situation sowie der Ziele und Bedürfnisse des oder der Kreditnehmenden. Wichtig ist die Frage nach dem Risiko: Wie viel kann aufgrund der finanziellen Ausgangslage eingegangen werden (Risikofähigkeit)? Wie viel möchte man eingehen (Risikobereitschaft)? Daraus ergibt sich die individuelle Risikotoleranz – ein für die Bestimmung der Finanzierungsstrategie entscheidender Punkt. Denn je nach dem empfiehlt sich eine offensive, eine ausgewogene oder eine defensive Strategie.