WM-Wucher in der Welt von Trump und Infantino
Tickets für mehr als zwei Millionen Euro? Für einen Platz im Unterrang? Für Fans kann die WM vor allem eines werden: richtig teuer.
Der «Boston Globe» fällte bereits ein vernichtendes Urteil vor dem Fussball-Spektakel in der Geld-Welt von US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino. «Die Weltmeisterschaft ist zu einem Verbrechen geworden», schrieb die Zeitung aus einem der WM-Spielorte in den USA: «Der Fussball-Weltverband und nun auch der Staat behandeln die WM wie eine Lizenz zum Stehlen.»
WM der Schockpreise
Absurde Ticketpreise sogar bis in die Millionen, an denen die FIFA auch mitverdient. Explodierende Kosten für den Weg zum Final-Stadion mit zigfachem Aufschlag. Und selbst bei Fan-Festivals wird Geld fällig. «Die WM der Schock-Preise», urteilte das «Wall Street Journal» vor dem Turnier, das am 11. Juni beginnt. Allerdings sind die Wiederverkaufspreise für viele Spiele in den Wochen vor Turnierbeginn wieder deutlich gefallen, nachdem die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.
«Klar ist, dass der Besuch dieser WM weder finanziell noch moralisch in dem Rahmen liegt, den wir von Weltmeisterschaften kennen», erklärte die Fan-Vereinigung «Fairness United» auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Und auch, dass ‹Normalverdiener› schlicht nicht die Zielgruppe des ‹Events› sind.»
Auf der Homepage schreibt «Fairness United»: «Die FIFA hat alles daran gesetzt, aus der Weltmeisterschaft ein Hochglanzprodukt zu machen, das sich medial extrem gut verkaufen lässt.» Und während der Spiele sei alles so teuer, dass man sich ziemlich sicher sein kann, «dass keine prolligen, grölenden oder gar betrunkenen Fussballfans durchs Bild laufen».
Zusammen mit dem Sekretariat der Welthandelsorganisation hatte die FIFA auch eine Studie veröffentlicht: Prognose zum beträchtlichen sozioökonomischen Nutzen der WM. Demnach könnte das Turnier bis zu 40,9 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und 8,28 Milliarden US-Dollar an sozialen Leistungen. Nur für die USA wurde von einem Bruttoproduktionswert von 30,5 Milliarden US-Dollar und einem Bruttoinlandsprodukt von 17,2 Milliarden US-Dollar ausgegangen. Das dürfte auch Trump imponiert haben, dessen aggressive US-Politik manchen Fan aber vom Besuch abhalten dürfte.