Gegner machen in Schänis mächtig Wind
Der Gegenwind liess nicht lange auf sich warten. Vor einem Monat gab der Kanton St. Gallen bekannt, dass er Potenzial für bis zu sechs Windräder in Schänis sieht. Und er deshalb die Gebiete Steinerriet und Witöfeli entlang der Linth im Richtplan als Eignungsgebiete eintragen will. Als einer von 17 ausgewählten Standorten im Kanton St. Gallen.
Nun findet heute Dienstag am Abend in Schänis ein «Informationsanlass» statt. Aber nicht des Kantons. Dieser wird erst im April in die Region kommen. Vielmehr lädt der Verein Schänner Landschaftsschutz ein. Dieser hatte letzte Woche in der Gemeinde Flyer verteilt. Und sich auch erst letzte Woche gegründet, wie Präsident Hans Oberholzer sagt. Neben ihm gebe es drei weitere Gründungsmitglieder, alle aus Schänis. «Wir sind gestandene Leute und stehen hin mit unserem Namen», sagt Oberholzer. Weitere Interessierte hätten sich bereits gemeldet.
Tatkräftige Unterstützung
Dass der Flyer noch von der «IG Schänner für den Schutz der Linthebene» gezeichnet ist statt mit dem Vereins-namen, zeugt von der Hektik der Gründungsphase. «Wir haben als blutige Anfänger bei null angefangen», sagt Oberholzer. Damit meint der pensionierte Banker die Art des Engagements. Mit politischen Prozessen ist das frühere Mitglied der Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde durchaus vertraut. Auch als Präsident des früheren Dorfladens amtete das «inaktive» FDP-Mitglied.
Oberholzer verfolgte die Diskussionen um die Windkraft schon 2018 und 2019 in Bilten eng und schrieb Leserbriefe, die von einer klaren Haltung zeugen. Von damals kennt er Daniel Lienhard, Präsident des Vereins Linthgegenwind, der erfolgreich gegen die Windräder in Bilten kämpfte. Mit dabei war damals zudem Siegfried Hettgetter, der sich nun zusätzlich im Vorstand von Freie Landschaft Schwyz gegen Windkraftanlagen in Ausserschwyz einsetzt. Wie eng die Verbindungen sind, zeigt, dass Linthgegenwind dem neuen Schänner Verein zum Start gar das Konto für Spenden zur Verfügung stellte.
Oberholzer betont, dass er auf Linthgegenwind zugegangen sei und nicht umgekehrt. «Wenn man einen fundierten Experten braucht, kann man dort anfragen», sagt er. Den neuen Verein beschreibt Oberholzer als «überparteiliches Zweckbündnis», das sich «gegen eine Zerstörung von Landschaft» einsetze. «Wir wollen keine Industrieanlagen in der Linthebene», sagt er kategorisch. Das Argumentarium entspricht dem, was Windkraftgegner überall in der Schweiz einwenden. Das Potenzial sei zu gering für eine wirtschaftliche Nutzung. «Der Schaden wäre viel grösser als der Nutzen», wird im Flyer moniert. Ein spezifisches Schänner Thema ist der Flugplatz, dessen Betrieb tangiert sein könnte von Windrädern.