Wenn klassische Musik den Kinosaal durchdringt
In «Unisono» dokumentiert Regisseur Georges Gachot während einer Woche 60 junge Musikerinnen und Musiker bei der Orchesterprobe im Künstlerhaus Boswil. Mit minimalen Mitteln gelingt es ihm zu zeigen, wie Gemeinschaft aussieht – und wie sie klingt.
Es spiele keine Rolle, ob und wie man spirituell, gläubig oder was auch immer sei, sagt Dirigent Hugo Bollschweiler zu seinem Orchester. Diese Musik habe aber etwas «sehr Existenzielles», weshalb es wichtig sei, «dass wir in diesem Moment alle an sie glauben.» Das Stück, um das es geht, ist eine Tanzkomposition des modernen polnischen Komponisten Henryk Górecki (1933–2010), während es sich beim angesprochenen «wir» um das Jugendsinfonieorchester Aargau (JSAG) handelt. Zweimal im Jahr treffen sich dessen 50 jugendliche Mitglieder – sowohl Professionelle als auch Amateure – im Künstlerhaus Boswil, um während einer Woche verschiedene klassische Stücke zu proben, die danach auf einer kleinen Schweizer Städtetournee aufgeführt werden sollen.
Bezüglich der verlangten spirituellen Hingabe muss man sich, wie der Dokumentarfilm «Unisono – Von der Liebe zur Musik» in beinahe jeder Szene eindrücklich zeigt, keine Sorgen machen. Sie wird auf den Gesichtern der jungen Musiker und Musikerinnen sichtbar, die sich nach und nach mit ihren Instrumenten zu einer gemeinschaftlichen musikalischen Einheit zusammenfügen. Und sie drückt sich in den Worten jener aus, die ihre Gefühle direkt vor der Kamera zu beschreiben versuchen.
Mit Menschen, mit denen man befreundet ist, zusammen Musik zu machen – «wenn man merkt, der andere hat gerade genau so viel Spass wie ich»: Das sei ein Gefühl, das sich nicht in Worte fassen lasse, sagt die Klarinettistin. Der Intensität des gemeinsam erzeugten Klangs, der wellenartig durch den ganzen Körper und das ganze Orchester geht, liesse sich alleine niemals herstellen, ergänzt eine Violinistin, und die Querflötistin fasst zusammen: «Es geht mir besser, oder ich bin eine bessere Version von mir selber, wenn ich Musik machen kann.»