Waldbrand im Winter: Die unterschätzte Gefahr
Wer in der Südostschweiz zum Fenster hinausschaut, kommt vermutlich nicht auf die Idee, dass aktuell Waldbrandgefahr besteht. Immerhin liegt an vielen Orten noch Schnee. Aber Achtung: Der Schein trügt. Das hat der Brand am Calanda am Mittwochmittag gezeigt.
Winter-Frühling-Übergang ist immer kritisch
«Genau jetzt ist es gefährlich», sagt Andrea Kaltenbrunner vom Bündner Amt für Wald und Naturgefahren. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: Unter der Schneedecke kommt in diesen Tagen altes, braunes – und damit sehr trockenes – Gras zum Vorschein. Dieses kann sehr leicht entzündet werden. «Man kann das mit trockenem Laub vergleichen, das ja auch sehr schnell brennen kann», so Kaltenbrunner weiter. Erst wenn sich die grüne Vegetation zeigt, wird die Gefahr schrittweise eingedämmt.
Eine weggeworfene Zigarette genügt
«Es besteht die Gefahr, dass ein Flur- oder Gebüschbrand entsteht, der auf den Wald übergreift.» Vor allem im Verlauf des Tages, wenn die Temperaturen steigen, sei Vorsicht geboten. In den Morgenstunden bei Tau oder Frost sei die Gefahr um einiges kleiner.
Nordwind verschärft Situation zusätzlich
Während im Bündner Rheintal die Gefahrenstufe aktuell noch bei 2 von 5 – also mässig – liegt, ist sie in den Bündner Südtälern höher. Dort ist die Gefahr erheblich auf Stufe 3. Dies hat mit dem Nordwind zu tun, der die hervorkommenden Braunflächen zusätzlich austrocknet. Im Bezirk Moesa und dem Kanton Tessin besteht aus diesem Grund bereits ein absolutes Feuerverbot im Freien. Eine Beruhigung der Situation sei erst mit kommenden Niederschlägen zu erwarten.