Verkehrsbetrieb Davos sagt dem Münz adieu
Wer ein neues Verkaufssystem anschaffen will, sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Dies wurde an einer am Montag durchgeführten Medienkonferenz klar. Im VBD-Busdepot informierten verschiedene Vertreter der Bündner ÖV-Branche, wie es zur Einführung von «Venda» kam. Ursprung des Ganzen ist, dass die bisherigen Chipcard-Geräte in den Regionen Chur (Tarifgemeinschaft Trans Reno), Davos (Verkehrsbetrieb Davos, VBD) und Ober-engadin (Tarifverbund engadin mobil) am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind. Etwas Neues sollte her, das einerseits die Vorteile der Digitalisierung nutzt, andererseits aber auch für möglichst viele verschiedene Kunden zugänglich ist. Thierry Müller, Leiter öffentlicher Verkehr beim Kanton, erklärte, dass man sich dabei vom Londoner System inspirieren lassen habe. Obschon das Hauptelement der hierzulande weitverbreitete «Swisspass» sein wird, sollen Billette auch über andere Kanäle gekauft werden können. So besteht die Möglichkeit, sein Ticket auf die Bankkarte zu laden. Wer seine Fahrkarte aber lieber anonym erwerben möchte, kann mit «Venda Prepaid» eine unpersönliche Einwegkarte im Wert von 10 oder 20 Franken beim Chauffeur kaufen – was somit weiterhin eine Abwicklung mit Bargeld zulässt. Ansonsten sind Münz und Nötli bei «Venda» aber kein Thema mehr. «Digitalisierung macht einigen Leuten zwar Angst, Digitalisierung kann aber auch einfach gehen», meinte Müller zu diesem Schritt.
Viele Vorteile
Los gehen soll es mit «Venda» in Davos spätestens am 11. Dezember (Fahrplanwechsel). Bereits installiert wurden die «Venda-Automaten» an acht ausgewählten Haltestellen auf dem VBD-Netz sowie in den Fahrzeugen. In den Solobussen stehen je zwei Geräte zur Verfügung, in den Gelenkbussen gar drei. Montiert sind sie so, dass sie auch von Rollstuhlfahrern gut bedient werden können. Das neue System werde von den Chauffeuren sehr wohlwollend aufgenommen, erklärt VBD-Betriebsleiter André Fehr gegenüber der DZ. «Falls nötig und wo möglich, werden sie der Kundschaft auch weiterhin beim Billettkauf behilflich sein.»
Dass «Venda» nicht nur des Modernisierungswillens wegen eingeführt wird, zeigt die Liste mit den Vorteilen des neuen Systems. So erhoffen sich die Busbetreiber kürzere Haltezeiten, was insbesondere bei sogenannten «Fahrbahn-haltestellen» den Verkehr verflüssigt und dadurch die Anschlüsse zuverlässiger werden. Auch die Kundschaft profitiere, führte Ralf Kollegger, Unternehmensleiter der Bus und Service AG, aus: «Leute, die bisher ihr Billett beim Chauffeur lösten, haben nun viel mehr Zeit für den Kauf». Dies sei besonders bei den Seitentälern ein grosser Vorteil, findet Fehr. Denn nebst den meistfrequentierten Haltestellen auf dem Ortsnetz habe man auch die Wendeplätze Teufi und Sertig Sand mit «Venda-Automaten» ausgerüstet. «So können beispielsweise Wanderer, die auf den Bus warten, schon mal ihr Billett kaufen.» Neu ist auch, dass mehrere Tickets – für Mitreisende, Velo oder Hund – gelöst werden können.