«Würdig leben bis zuletzt»: Besucherandrang
Anlass für die Veranstaltung – welche sich rund um Fragen drehte – was es für ein «Würdig leben bis zuletzt» braucht, ist die anstehende kantonale Gesetzesrevision, welche den Alters- und Pflegeheimen neu vorschreiben will, dass sie assistierten Suizid zulassen müssen.
Alterspsychiater Raimund Klesse ging in seinem einfühlsamen Eingangsreferat auf Wert und Bedeutung der älteren Generation für die heutige Gesellschaft ein. Die jetzigen älteren Generationen seien die ersten, die so gesund alt werden könnten. Doch das Alter könne auch Beschwerden und Leid mit sich bringen. Veränderungen, gesundheitliche Probleme, Verlust von Partner und Freunden würden manchmal zu Vereinsamung oder Verzweiflung führen. Wenn dann ein Mensch sage, er wolle nicht mehr leben, heisse das nicht, dass er sterben wolle. Es heisst, dass er so, wie die Situation momentan ist, nicht weiterleben will. Hier brauche es ein menschliches Gegenüber, eine Pflegende, ein Familienmitglied, oft auch einen Arzt, die den Menschen in seiner Not verstünden. In einer Vertrauensbeziehung kann entwickelt werden, wie die persönliche Situation verbessert werden kann. Oft unterschätzt man die Bedeutung älterer Menschen mit ihrer reichen Lebenserfahrung für die Familie, Mitbewohner im Heim und die ganze Gesellschaft. Sie haben auch den Wohlstand, von welchem wir heute profitieren, geschaffen. Sie haben das Recht, wertgeschätzt und respektiert zu werden. Jedem Menschen steht eine unveräusserliche Würde zu. In den Heimen versuchen die Pflegenden, ein Daheim in einem lebensbejahenden Klima zu schaffen. Damit der Mensch die ihm zustehende Würde leben kann, braucht es auch die Familie, die Nachbarn und die ganze Gesellschaft. Assistierte Suizide in Heimen dagegen können schwerwiegende Auswirkungen auf die ganze Atmosphäre, die Pflegenden und auch die Mitbewohner haben. Der Referent plädierte dafür, dass in unserer Demokratie jedes Heim die Freiheit haben müsse, selbst über seine Kultur zu entscheiden.
Wünsche der Bewohnenden sind zentral
Andrietta Räss, Pflegedienstleiterin des Zentrums Guggerbach, berichtete, dass es für sie zentral sei, die Wünsche der Bewohnerinnen in den Mittelpunkt zu stellen, um ihre Würde sicherzustellen. Sie veranschaulichte dies anhand eines Beispiels einer blinden und immobilen Bewohnerin. Während das Pflegepersonal möglicherweise annimmt, dass es für die Bewohnerin wichtiger wäre, wieder sehen zu können, könnte für sie selbst die Möglichkeit, sich zu bewegen, von höherer Bedeutung sein, während das Sehvermögen sekundär ist. Daher ist es entscheidend, die persönlichen Präferenzen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen zu respektieren und zu unterstützen. Für viele Bewohnerinnen wird das Heim zu einem neuen Zuhause, in dem sie Freundschaften knüpfen und soziale Interaktionen mit dem Pflegepersonal pflegen können. Es ist wichtig, eine Umgebung zu schaffen, in der sich die Bewohnerinnen wohl und geborgen fühlen und ihre Lebensqualität bestmöglich erhalten bleibt. Die Selbstbestimmung und Autonomie der Bewohnerschaft sollten stets respektiert und gewahrt werden.