«Unser» Rhein wirft europaweit den schlechtesten Fischertrag ab
«Wir stellen im Alpenrhein fest, dass die Fischfangzahlen markant zurückgegangen sind», sagt Marcel Michel, vom Amt für Jagd und Fischerei. So würden in den letzten Jahren etwa 40 Prozent weniger Fischfänge, im Vergleich zu den frühen 2000er Jahren, verzeichnet.
Fischfangzahlen: Absolute Zahlen, die die Fischer pro Art und Saison erzielen.
Dafür gebe es primär zwei Gründe, sagt der Experte. «Einerseits ist der Alpenrhein als Fischlebensraum mehrheitlich degradiert und kanalisiert.» So habe er noch wenig natürliche Lebensraumausprägung. Weiter seien die Wasserspiegelschwankungen ein Problem, die durch die tägliche Wasserkraftproduktion verursacht würden. Das führt dazu, dass die Reproduktion, das heisst der Jungfischnachwuchs, stark eingeschränkt wird.
Schlechtester Fischfangertrag
Erhebungen zeigen ausserdem, dass die Fischbestände für ein grosses Gewässer – wie den Alpenrhein – im Vergleich zu anderen Haupttalflüssen europaweit den schlechtesten Fischertrag abwirft, wie Michel sagt.
Diese Situation habe sich in den letzten 20 Jahren auf tiefen Niveau eingependelt oder sei bei gewissen Arten sogar noch weiter zurückgegangen. «Die Fänge der einheimischen Bachforelle beispielsweise sind noch etwa zehn Prozent von dem, was vor 15 Jahren gefangen wurde», so Michel.
Graubünden kein Hotspot mehr für Fortpflanzung
Von 30 auf sechs Arten zurückgegangen
Ausserdem seien nicht alle Arten gleich betroffen. Je nach Rheinabschnitt sei das sehr unterschiedlich. «Beispielsweise hat in Graubünden der Strömer noch relativ gute Bestände. In anderen Abschnitten des Rheins ist der Bestand jedoch klar zurückgegangen.» Gemäss Michel ist es insgesamt so, dass von den ursprünglich 30 Fischarten, die es im Rhein gab, heutzutage nur noch etwa sechs häufig vorkommen.
Damit die Arten nicht komplett aussterben, sei man bezüglich der Schwall-Sunk-Sanierung der Wasserkraft gefordert. Aber vor allem am Lebensraum müsse angesetzt werden, damit die Arten erhalten werden können.