Trotz Waffenruhe: Israel greift erneut Vororte von Beirut an
Ungeachtet der eigentlich verkündeten Waffenruhe im Libanon hat Israels Militär erneut die Vororte der Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Armee habe «Terroristen-Hauptquartiere» als Reaktion auf den Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Aus den USA, die im Libanon vermitteln und gleichzeitig versuchen, sich mit dem Iran auf ein Rahmenabkommen zu einigen, gab es zunächst keine Stellungnahme. Die iranischen Revolutionsgarden hatten gewarnt, ein Angriff auf Beirut würde erneut einen umfassenden Krieg entfachen.
Mindestens zwei Menschen wurden bei den Angriffen in Beirut getötet und elf weitere verletzt, wie die libanesische Staatsagentur NNA berichtete. Videos von Augenzeugen zeigten dichte Rauchwolken in den als Dahija bekannten Vororten von Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten, die aber auch dicht bewohnt sind. Augenzeugen beschrieben schwere Zerstörung an einem der Gebäude über mehrere Stockwerke. Israelische Medien berichteten, der Angriff habe dem Hauptquartier der Hisbollah gegolten.
Israel hatte seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April die Angriffe im Raum Beiruts deutlich eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump hatte dort auch einen Stopp israelischer Angriffe und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet. Israel hatte jedoch damit gedroht, diese Gebiete bei Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und die Bewohner der Vororte erneut zur Flucht gedrängt. Im Libanon wurden nach offiziellen Angaben im jüngsten Krieg mehr als 3.600 Menschen getötet und 11.000 weitere verletzt.
Wieder Raketen im Norden Israels
Der Norden Israels war kurz zuvor erneut vom Libanon aus mit Raketen angegriffen worden. Die Raketenabwehr habe zwei Geschosse abgefangen, die auf israelisches Gebiet vorgedrungen seien, teilte die Armee mit. Die Hisbollah beanspruchte mehrere Angriffe auf israelische Truppen im südlichen Libanon für sich. Auch hier setzte Israel seine Angriffe fort.
Die Hisbollah und ihr wichtigster Unterstützer Iran stehen nun unter Druck, ihrerseits auf den jüngsten Angriff im Raum Beirut zu reagieren. Der Iran hatte erneute Angriffe Israels auf die Vororte von Beirut als rote Linie bezeichnet, die im Krieg mit den USA und Israel eine erneute Eskalation bedeuten würden.