Wer schützt uns vor dem geschützten Wolf?
von André Siegenthaler
Herdenschutz heisst Vergrämen. Wir machen dies Tag für Tag und auch bei Nacht. Kaum bezahlt und aus ureigenem Interesse am Wohlergehen der Tiere in unserer Obhut. Der Herdenschutz mit elektrifizierten Weidenetzen und Herdenschutzhunden kam diesen Sommer an seine Grenzen. Bleibt noch die ständige Behirtung. Dazu braucht es Infrastruktur und Personal. Wir werden sehen, wie die Umweltverbände auf die benötigten Bauten reagieren werden. Einsprachen sind garantiert. Und robustes Personal kann nur gefunden werden, wenn dieses mit Verteidigungsbewaffnung ausgerüstet werden kann.
In Frankreich gab es 2020 im westlichen Alpenbogen folgende Tötungen durch Wölfe: 8940 Schafe, 471 Geissen, 199 Rinder, vier Equiden und 59 Herdenschutzhunde! Das sind 9673 bestätigte Tötungen. In ganz Frankreich waren es 12 276. Und das, obwohl seit 2015 auch Verteidigungsabschüsse bei Annäherung an Herden durch Hirten, Jäger und die Wildhut möglich sind. Dadurch wurde zwar der Anstieg auf hohem Niveau der Risse gebremst, aber nicht reduziert.
In diesem Sommer gab es auf den geschädigten Schafalpen im Glarnerland acht Prozent Verluste. Normal sind es ein bis zwei Prozent Abgänge, etwa durch Krankheit oder Abstürze.
Wollen wir wirklich verbarrikadierte, verbellte und überwachte Alpen und kaputte Älpler?
«Die Bergbevölkerung kennt den Wolf nicht richtig», behauptet der Biologe und Tierfilmer Andreas Moser. Als Linker und Netter erschrecke ich immer wieder über die Arroganz, Verachtung und Hartherzigkeit der Wolfsversteher gegenüber der hiesigen Berg- und Talbevölkerung. In neokolonialer Manier erklärt man uns, wie wir zu leben und zu arbeiten haben, und fordert uns gar auf, unser Land zu räumen. Dies stösst bei den Betroffenen – egal wo und wann – immer auf Widerstand.
Der Schweizer Staat hat sein Machtmonopol an private, selbst ernannte und demokratisch nicht legitimierte Expertenorganisationen abgegeben. Diese behaupten, genau zu wissen, was der Wolf ist, und entscheiden wie im Falle von Kora, welche DNA ausgewertet wird. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat keine Gestaltungsmacht und kuscht vor Einsprachen der Umweltverbände, bevor diese geschrieben sind.