Taktieren erwünscht: Wie die WM mit 48 Teams Tricks belohnt
Auf ein Unentschieden einigen? Das könnten in den nächsten Tagen einige Nationen machen – und jeweils belohnt werden. Über Sinn und Unsinn des Quervergleichs von zwölf Gruppen bei der WM.
Wenn Fans in den kommenden Tagen den Fernseher für die Spiele der Fussball-WM einschalten, erwartet sie immer wieder ein relativ ungewöhnliches Szenario. Statt zwei Teams auf Sieg spielen zu sehen, wird es gleich mehrere Male Konstellationen geben, in denen beide Mannschaften schon vor dem Spiel wissen: Ein Unentschieden, das reicht eigentlich. Und damit willkommen zum dritten Spieltag der ersten WM mit 48 Teams.
Angesichts des Quervergleichs von zwölf Vierergruppen im Kampf um die acht besten Dritten dürften dabei die Skurrilitäten von Tag zu Tag zunehmen. Die hinteren Gruppen, die erst am Freitag und Samstag im Einsatz sind, wissen dann nämlich ziemlich genau, wie viele Punkte und welches Torverhältnis es braucht, um einen der begehrten acht Plätze zu belegen.
Kanada gegen Schweiz? Ein Remis hilft beiden
Doch schon der Auftakt zwischen Co-Gastgeber Kanada und der Schweiz am Mittwochabend dürfte heikel werden. Sowohl die Nordamerikaner als auch das Team von Murat Yakin haben in Gruppe B vier Punkte und liegen damit deutlich vor Bosnien-Herzegowina und Katar (jeweils 1). Ein Remis im direkten Duell führt dazu, dass beide sicher die K.o.-Runde erreichen.
Kanada wäre Gruppensieger und würde im heimischen Vancouver bleiben. Die Schweiz wäre Zweiter und bekäme in Südkorea, Südafrika oder Tschechien einen machbaren Gegner. «Wir wollen gewinnen», sagte Kanadas Verteidiger Derek Cornelius zwar. Er sagte aber auch: «Davon abgesehen müssen wir in den letzten Spielminuten natürlich mit Köpfchen spielen und auf den Spielstand achten.»
Buffon witterte «Wettskandal» bei Skandinaviern
Die Turniergeschichte von Welt- und Europameisterschaften lehrt, dass Spiele, bei denen beide Teams von einem Remis profitieren, doch oft mit einem Remis enden. Vor zwei Jahren trennten sich Rumänien und die Slowakei bei der EM in Deutschland mit 1:1 – schon vorher war klar, dass beiden Nationen genau jenes Remis zum Einzug ins Achtelfinale genügen würde.