Gefangen in den Sozialen Medien
Fast alle aktuellen sozialen Dienste und Netzwerke funktionieren nach dem Prinzip der digitalen Aufmerksamkeit und binden so an den Anbieter. Sogenannte «Nudges» sorgen dafür, dass man länger als geplant in den sozialen Medien bleibt.
Schaut man sich auf YouTube ein Video an, erscheint kurze Zeit später das nächste Video. Durch Algorithmen werden die vorgeschlagenen Videos auf die Interessen des Nutzenden zugeschnitten und regen zum Weiterschauen an. Bei Instagram folgt die nächste Story nahtlos an die vorangegangene. Ständig wird neuer Inhalt angezeigt. Dasselbe geschieht auch bei Netflix. Nach dem Ende einer Episode, natürlich im spannendsten Moment, wird die nächste Episode wenige Sekunden später gestartet. Es braucht keine besondere Aktivität, die Folge beginnt von alleine.
Belohnungszentrum wird aktiviert
Viele digitale Dienste sind so aufgebaut, dass sie durch das Erhalten von Bestätigung und Anerkennung das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren und somit zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin führen. Glücksgefühle stellen sich ein, wenn man «Likes» und positive Kommentare auf Postings erhält. Eine Studie der University of Chicago belegt, dass die Sogwirkung so stark sein kann wie die von Nikotin oder Alkohol. Wie beim Drogenkonsum muss auch bei der Nutzung von Social Media die Dosis kontinuierlich gesteigert werden, um den gleichen Belohnungseffekt zu erzielen.
Belastung nimmt zu
Online sein bedeutet nicht nur Spass und Unterhaltung. Immer mehr Menschen leiden unter ihrem hohen Konsum sozialer Medien. Fast drei Viertel der Jugendlichen verbringen mehr Zeit am Handy, als sie ursprünglich geplant hatten. Wenn die Konzentration wegen der ständigen digitalen Ablenkung schwerfällt oder die Müdigkeit nicht weichen will, weil man bis spät in die Nacht online war oder sein Lieblingsspiel gespielt hat, kann das gesundheitliche Folgen haben. Schlafprobleme und eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne können auftreten. Immer häufiger wird von digitaler Überforderung gesprochen, dem digitalen Sog, aus dem es kein Entrinnen gibt. Eine gesunde Balance in der Medien- und Techniknutzung muss gefunden werden.